Home » Reviews, Tonträger

SEAN O‘HAGAN – Radum Calls, Radum Calls

17 November 2019 No Comment
Share

Sean O’Hagan veröffentlicht mit „Radum Calls, Radum Calls“ sein zweites Soloalbum in knapp 30 Jahren. Das erste war Namensgeber für sein loses Bandkollektiv The High Llamas, das bis zum heutigen Tag auf rund ein Dutzend Veröffentlichungen kam. Virtuoser Streicherpop, der zwar wie Easy Listening wirkt aber über genügend Stilbrüche, Kniffe und Wendungen verfügt um von den Kritikern gefeiert und von einer treuen Anhängerschaft abgöttisch geliebt zu werden.

Die nun vorliegende Soloplatte von O’Hagan unterscheidet sich zunächst nicht grundlegend vom Werk seiner Hauptband. Man bekommt im Verlauf der Platte sogar den Eindruck, der Donald Fagen der Kamakiriad Phase Anfang der 90er nimmt die gestrandeten Beach Boys an die Hand und macht mit Ihnen gemeinsame Sache („McCardle Brown“).

Überhaupt, die Liebe zu den Beach Boys, zu dessen Produzent Sean O’Hagan fast einmal ernannt worden wäre, schimmert auch auf seiner Soloplatte überall durch. Harfen und Streicher flackern scheinbar irrlichternd durch kleine Popskizzen („Better Lull Bear“).

Die Stimme des Protagonisten klingt immer noch wie die eines neugierigen Kindes („I am Here“) und wird durch Gastsänger Cathal Coughlan, mit dem er in den 80s bei Microdisney zusammenarbeitete, zum Teil ins Surreale transzendiert ohne seinen Popappeal zu verleugnen („Take My Steps (Nora Bramms)“).

Obwohl es ein großes Missverständnis ist, dass The High Lllamas einst auf der Schaumkrone der Britpop-Bewegung surften, weil 1-2 Hauptwerke Mitte der 90s („Gideon Gaye“ & „Hawaii“) gleichzeitig auf dem Markt waren, kann es nicht von der Hand gewiesen werden, dass der geborene Ire ein absolutes Händchen für Melodien hat. Gleich der Opener „Candy Clock“ veranschaulicht das treffend.

Textlich ist die Platte immer noch eine sehr britische Angelegenheit. Die klassische Beobachtung und Charakterisierung von Personen und die Beschreibung von scheinbar gewöhnlichen Alltagsituationen, kennt und schätzt man auch von den High Llamas. Diese hatten mit ihrer letzten Veröffentlichung, dem Quasi-Theaterstück „Here Come The Rattling Trees“, das Ganze auf die Spitze getrieben.

Die ganze Platte hört sich wie aus einem Guss. Verbindet nostalgische Vergangenheitsschleier mit moderneren Beats und vertrackten avantgardistischen Melodiebögen, die Sean O‘Hagan auch schon bei seiner Produzententätigkeit für z.B. Stereolab liebte, zu einem ganz feinen Hörerlebnis.

Bewertung: 5 von 6

: 25.10.2019
Web: www.highllamas.com
Label: Drag City (H’Art)
Format: CD/LP/Digital

Tracklist:
1. Candy Clock
2.  Better Lull Bear
3. I Am Here

4. The Paykan (Laili’s Song)

5. McCardle Brown
6. Clearing House
7. On A Lonely Day (Ding, Dong)

8. Spoken Gem
9. Sancto Electrical
10. Take My Steps (Nora Bramms)
11. Radum Calls
12. Calling, Sending

Share

Comments are closed.