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SPERMBIRDS – 13.09.2008, Düsseldorf, zakk

15 September 2008 No Comment

Spermbirds - Düsseldorf, zakk, 2008

Während Hurrikan Ike in den USA tobte, tobten im zakk in Düsseldorf die SPERMBIRDS. Augenzeugen zu Folge war beides gewaltig. Hier ein Bericht vom Toben der Letzteren:

Kaum zu glauben, aber er hat es geschafft. Irgendwie gelang es Lee Hollis sein räumesprengendes Charisma in den kleinen Club im Zakk zu pressen. Entziehen konnte sich dem keiner. Genau wie dem Sound seiner SPERMBIRDS, die es wie kaum eine andere Band schafft, von der ersten Sekunde an einen Druck aufzubauen, der sich mit gewaltiger Energie im Publikum entlädt.

Allein Lee Hollis macht ein SPERMBIRDS-Konzert sehenswert. Da müsste kein Ton kommen Hollis‘ Bewegungen, seine Mimik, die Kraft und das Charisma, das er ausstrahlt reichen aus, um die Kraft dieser Band erlebbar zu machen. Da die SPERMBIRDS darüber hinaus auch noch hörenswert sind, war das Konzert im zakk ein Ereignis für die Augen und die Ohren.

Seit 25 Jahren sind die SPERMBIRDS die Speerspitze des deutschen Hardcore/Punk. Eine Machtstellung, der nicht mal die Brüche in der Bandbiografie etwas anhaben konnten. 25 Jahre, die allenfalls in den Gesichtern der Band Spuren hinterlassen haben. Man sieht: Die SPERMBIRDS sind alt geworden. Oder reif. Besser reif! Denn die negative Konnotation des Wortes alt passt so gar nicht zudem, was die SPERMBIRDS im zakk abgeliefert haben.

Unzählige Punkrock-Schlachten haben die Band gestählt. Vom Geschrammel der 80er Jahre sind die SPERMBIRDS inzwischen meilenweit entfernt. Da sitzt jeder Ton, da stimmt jeder Einsatz. Die Band prügelt sich mit einer Präzision durch ihr Set, die nur in langen Jahren Bühnenpräsenz entstehen konnte. Fast möchte man von einer Einheit sprechen, von einem Kollektiv, das im Zusammenspiel und in der Gemeinschaft, seine Kraft entfaltet.

Dieses Bild von der Einheit SPERMBIRDS hat nur einen Fehler: Lee Hollis lässt sich nicht vereinheitlichen. Aber eines wird auch klar: Egal was der Tausendsassa sonst so treibt, sein Platz ist in der Mitte der SPERMBIRDS. Lee Hollis ist jener Texas-Cowboy, der als einziger in der Lage ist, diesen wilden, irren Gaul von Band zu reiten.
Denn bei aller Routine: Die SPERMBIRDS zeigten im zakk eine Spielfreude, die ihres gleichen sucht. Sie agierten mit einer ungestümen Rohheit und einer positiven und Endorphin-freimachenden Gewalttätigkeit, die das Konzert zu einem unvergleichlichen Par-Force-Ritt werden ließ.

Dabei strahlen die SPERMBIRDS eine Aura aus, die schwer in Worte zu fassen ist. Eine Art nicht-überhebliche Arroganz. Eine Unnahbarkeit, die im krassen Widerspruch zur körperlichen Erfahrbarkeit ihrer Musik steht. Es ist dieses schiere „Wir müssen niemandem mehr etwas beweisen und trotzdem genießen wir jede Sekunde“-Attitüde, die da von der Bühne schwappt und das Prädikat „Hardcore/Punk-Legende“ glaubhaft untermauert. Wie lange diese Band bereits im Geschäft ist, wurde auch im Publikum deutlich.

Da stürzten sich gestandene Männer, die sich sonst um ihre Familien kümmern, genauso in den Moshpit wie jugendliche Punkrock-Draufgänger. So wurde das Konzert im zakk auch zu einem Generationenübergreifenden 25 Jahre SPERMBIRDS -Fan-Fest. Das hörte nach knapp einer Stunde genauso schnell auf, wie es angefangen hatte.

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