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SPIRITUALIZED® – And nothing hurt

25 September 2018 No Comment
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Jason Pierce a.k.a. J. Spaceman hatte schon immer etwas übrig für Entschleunigung. Sei es noch etwas krachiger mit seinen Spacemen 3 in den 80s, bei seinem größten Erfolg „Ladies & Gentlemen We Are Floating In Space“ am Rande des Britpop 1997 oder bei den Abständen zwischen seinen späten Platten. Pierce wirkt seit dem Zenit seiner Popularität wie ein beschädigter Astronaut, der im Orbit nach seiner großen, verlorenen Liebe, der Ex-Spiritualized Keyboarderin Kate Radley sucht, und mit seiner Musik sowie wechselnden Besetzungen ein Maximum an Romantik, Traurigkeit und Bittersüße verbreitet.

Ein schmerzhafter Prozess sei auch die Entstehung des neuesten Longplayers gewesen. Schlappe 6 Jahre sind seit dem Vorgänger „Sweet Heart, Sweet Light“ vergangen und unter reduzierten Aufnahmebedingungen am Laptop, nahm sich Pierce einfach noch mehr Zeit um zuhause an den Parts so zu feilen bis sie ihm passten. Später wurden u.a. in den Konk Studios auch die Parts der anderen Musiker hinzugefügt um auch 2018 wieder den „Wall Of Sound“ zu kreieren den man von Spiritualized ® erwartet.

Und so gelingt es Pierce schon beim ersten Song „A Perfect Miracle“ alle Ingredienzen seiner Band wunderbar auf den Punkt zu bringen. Zu einer zarten Banjo-Melodie und fast im Stil eines Wiegenliedes geleitet das Stück den Hörer hinein in das Album und wirkt dabei wie aus der Zeit gefallen. Nach und nach schichten Pierce und seine Begleitmusiker dann Gitarren, Keyboards, Chöre und Streicher übereinander bis das Stück sich himmelwärts dreht. Textlich zelebriert Pierce dabei wieder Eskapismus gepaart mit Liebesbekundungen. Ergreifend!

Auch im zweiten Vorabtrack beteuert der Brite im Slowtempo: „I’m Your Man“ und das monumentale Gitarrensolo am Ende erstreckt sich wieder bis in die Erdumlaufbahn. „Here It Comes (The Road) Let’s Go“ hat eine große Chorunterstützung und die Gitarre flirren, twangen und grüßen anachronistisch aus einer anderen Zeit. „Let’s Dance“ funktioniert als weiterer ruhiger Track mit repetitiven Vibes (NEU!) bevor „On The Sunshine“ spirituell mit dynamisch-krautigen Keyboard-Flächen und mit aufgekratztem Saxofon wie weiland die frühen Roxy Music für Schwung sorgt.

„Damaged“ passt dann wieder sehr gut zum Image des „beschädigten“, verlassenen und müden Astronauten, den Pierce auch wieder auf den Begleitbildern zur neuen Platte gibt. Streicher und Keyboards tragen den Spaceman in andere Dimensionen: „Darling, I’m Lost And I‘m Damaged Over You“.

„The Morning After“ ist der „Rocker“ der Platte. Zu Mundharmonika, röhrendem Saxofon und schepperndem Riff skandiert Pierce mit charmanter Nichtstimme „Come On, Come On, Come On, We’re Living in The Modern World” während die Band Vollgas gibt und beim Rocken das Rollen nicht vergisst. Das Stück schafft es den Groove von Velvet Underground mit der kakophonischen Wildheit früher Glamkünstler zu paaren.

Es wäre aber kein typisches Spiritualized Album ohne hypnotische Schlussballaden wie „The Prize“ und „Sail On Through“. Langsam entfaltet sich die Magie der beiden Stücke. Ein Rauschen, ein kruder Walzertakt, Bombast(-Chöre) und ganz am Ende bleiben einzelne Morsezeichen wie ein letztes Signal bevor J. Spaceman die Umlaufbahn verlassen hat, um in ein paar Jahren wieder nach dem Rechten zu sehen. Seine Reise hat ihn müde gemacht aber wir freuen uns immer über seinen Besuch und hören ihm gebannt zu. Diese gute Platte ist ein erneuter Beweis dafür.

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 07.09.2018
Künstler: www.spiritualized.com
Label: Bella Union
Format: CD/LP/Download

SPIRITUALIZED „And nothing hurt“ Tracklist:
1. A Perfect Miracle
2. I’m Your Man
3. Here It Comes (The Road) Let’s Go
4. Let’s Dance
5. On The Sunshine
6. Damaged
7. The Morning After
8. The Prize
9. Sail On Through

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