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STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT

16 Dezember 2015 No Comment
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© Walt Disney

Die „Star Wars“ – Saga repräsentiert für viele Leute vielerlei Dinge: Eine Religion, eine Spielzeug-Merchandise-Explosion, ein naives Weltraummärchen bzw. Space-Opera und für manche alles gleichzeitig. Aber vor allem bleibt es eine Reihe von sehr guten bis weniger guten Unterhaltungsfilmen. Nach zehn Jahren Leinwand-Abstinenz kommt nun die lang erwartete Fortsetzung in die Kinos.

Aber um nicht lange um den heißen Brei herum zu schreiben und alle Sorgen zu zerstreuen: Für alle, die nicht darauf hoffen, dass eine Filmerfahrung ihr Leben verändert, ist „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ eine Fortsetzung, die der Ursprungstrilogie würdig ist und bietet eine solide Grundlage für alles, was auf die geneigte Zuschauerschaft noch in den nächsten Kinodekaden zukommen soll. Ein paar Worte zur Geschichte. Und in dieser Rezension sollen es wirklich nur ein paar Worte sein, weil sollten wir aus irgendeinem Grund oder aus Versehen tatsächlich etwas spoilern, könnten uns die Disney-Anwälte aufs Dach steigen. Und um ehrlich zu sein, bei einem so heiß erwartetem Kino-Ereignis ist jeder Artikel, Kommentar oder jede unbedachte Aussage, die zu viel verrät, gegenüber Leuten, die den Film noch nicht sehen konnten, geprägt von extremer Arschigkeit.

Luke Skywalker (Mark Hamill), Prinzessin Leia (Carrie Fischer), Han Solo (Harrison Ford) und ihre Rebellion gegen das böse Imperium sind nur noch ein vager Mythos, der zwar in einer weit, weit entfernten Galaxis bekannt ist, aber auf den entlegeneren Planeten nur noch wenig Bedeutung hat. Dennoch hat sich eine nicht unerhebliche, zwielichtige Schar um den dunklen Jedi Kylo Ren (Adam Driver) zusammengefunden, um den verschollenen Jedi-Meister Luke Skywalker zu finden. Eine blutige Suche, in die die jungen Streuner Rey (Daisy Ridley) und Finn (John Boyega) unversehens hineingeraten.

Star Wars: The Force Awakens L to R: Rey (Daisy Ridley) & BB-8 Ph: David James © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.

Rey (Daisy Ridley) mit Droiden-Fußball und zukünftigem Roboter der Herzen BB8 © Walt Disney

„Star Wars“ war nie wegen seiner großartigen oder gar komplexen, erzählerischen Hakenschläge bekannt, sondern ist auch im vorliegendem Fall recht geradeaus und vermutlich auch recht simpel gestrickt. Allerdings ist dies, entgegengesetzt populärer Meinung, im Genre-, Fantasy-, und Science-Fiction-Kino meistens ein Pluspunkt. Ein gut erzähltes Potpourri bestehend aus einer detailliert und liebevoll konstruierten Welt mit beeindruckenden Bildern, Stimmungen und Emotionen unterlegt mit einem ebenso stimmungsvollen Soundtrack von John Williams kann Berge versetzen, Todessterne zerstören und Heerscharen ins Kino locken und verzaubern.

Dies hat George Lucas erkannt, als er für seinen ersten „Star Wars“-Film mit einer Handvoll unbekannter Darsteller und einem alteingesessenen Schauspielveteranen namens Alec Guiness 1977 in die Wüste von Tunesien zog. Dies hat George Lucas vergessen, als er die erste Episode seiner Prequel-Trilogie vor diversen Greenscreens drehte und davon überzeugt schien, dass intergalaktische Handelsbeziehungen interessant genug für ein Kinoabenteuer sind, solange sie den Namen „Star Wars“ tragen. Und dies nimmt J.J. Abrams 38 Jahre nach dem Original wieder auf und füllt seine Fortsetzung mit den simplen aber einschlägigen und effektiven Story-Prinzipien, die das Fan-Herz höher schlagen lassen.

Als Disney das Heft in die Hand nahm und Lucasfilm und alle die von ihm erschaffenen Figuren gleich mit aufkaufte ging eine große Erschütterung durch das Vertrauen eben dieser Fans. Würden etwa bald Mickey Mouse und Co. durch das Bild hüpfen oder Han Solo und Prinzessin Leia spontan und willkürlich in Gesang ausbrechen? Sorgen, Vermutungen und Witze, die durch das Internet kreisten und natürlich damals wie heute totaler Unsinn sind. Disney ist ein Milliarden-Konzern mit Marketing-Experten, Kreativ-Teams, Top-Produzenten, Schreibern, Regisseuren und noch Millionen von anderen Dingen, die durchaus ebenso viele Ohren am Puls der Zeit haben und schon allein deswegen seit Jahrzehnten hochwertige Unterhaltungsprodukte herstellen.

Star Wars: The Force Awakens L to R: Leia (Carrie Fisher) & Han Solo (Harrison Ford) Ph: David James © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.

General Leia (Carrie Fisher l.) und Han Solo (Harrison Ford r.) in trauter Einigkeit wieder © Walt Disney

Dennoch hielten sich die Zweifel aufrecht. Auf ebenso verhaltene Reaktionen stieß die Entscheidung, JJ Abrams für die Regie dieses Jahrhundert-Blockbusters zu engagieren. Auch er ist ein erfolgreicher Autor, Produzent und Regisseur, der Serien wie „Alias“ erfunden hat, die Serie „Lost“ produzierte und dessen spektakulären Pilotfilm selbst drehte, sowie Blockbuster wie „Mission Impossible III“ und „Super 8“ auf die große Leinwand brachte. Das Science Fiction-Franchise, das vielen Fans allerdings noch immer schwer im Magen liegt, ist „Star Trek“. Ein Universum, das  in Abrams Vision zugegebenermaßen eher wie ein Actionfilm als eine bedachte Forschungsmission daherkam.

Selbst er war sich jedoch bewusst, dass er mit dem „Star Wars“-Franchise und dem Beginn der neuen Trilogie (die achte und neunte Episode wird er nur noch produzieren) eine große Verantwortung auf sich nahm. Daher wollte er wohl auch nichts dem Zufall überlassen, allerdings strahlten schon Nachrichten von der Präproduktion Unsicherheiten aus: Das Script des Autors Michael Arndt, der schon die Drehbücher zu „Toy Story 3“, „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ und „Oblivion“ schrieb, lehnte Abrams nach längerer Zusammenarbeit letztendlich ab. Stattdessen wandte er sich dem „Star Wars“-Veteranen Lawrence Kasdan zu, der „Das Imperium schlägt zurück“ schrieb, der Mittelteil der Ursprungstrilogie, der unter den Fans als die beste Episode gilt. Aber auch spätere Meldungen von einer Verletzung von Harrison Ford während der Dreharbeiten schürten nicht gerade Zuversicht in die Produktion.

Star Wars: The Force Awakens L to R: General Hux (Domnall Gleeson) and Kylo Ren (Adam Driver), in b/g Captain Phasma (Gwendoline Christie) Ph: David James © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.

General Hux (Domhnall Gleeson l.) und Kylo Ren (Adam Driver r.) planen finstere Machenschaften © Walt Disney

Spätestens aber als die offizielle Werbekampagne ihren Anfang nahm, konnte sich die kollektive Nervosität wieder legen. Die Trailer versprachen, das Gefühl der alten Trilogie aus den späten 70ern und frühen 80ern wieder aufleben zu lassen. Statt den digitalen Spielereien, in die sich George Lucas so verliebt hatte, bot sich eine gesunde Mischung aus praktischen und digitalen Effekten dar, wie sie schon in den besten Action- und Science Fiction-Filmen in diesem Jahr zu finden war. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich diese gesunde Effektmischung auf der Leinwand wiederfindet und dem Publikum einen greifbaren Blockbuster präsentiert.

Aber vor allem, und das lässt sich in jeder Minute des Filmes Spüren, vermittelt „Erwachen der Macht“ ein Sinn für Abenteuer und Spaß und spart auch nicht mit dem ein oder anderem Gänsehaut-Moment. Einige Elemente wirken zwar wie ein Echo der alten Filme, aber nicht wie eine blinde Kopie. Abrams mag es vielleicht bis jetzt noch an einer eigenen prägnanten Handschrift mangeln (außer gelegentlich penetranten Kamera-Lensflares, die den Zuschauer blenden, hier aber sparsam bis überhaupt nicht eingesetzt werden), allerdings beherrscht er die Filmsprache eines Steven Spielberg und George Lucas perfekt und setzt diese bis hin zu einer wunderbaren Detailversessenheit und Verspieltheit passend ein, die sich insbesondere in dem knuffigen Droiden BB8 widerspiegelt, den man auch als Erwachsener genießen kann. So wirkt sein Weltraumabenteuer gleichzeitig altmodisch und modern.

Dennoch gibt es wie auch schon in der alten Trilogie dramaturgische und schauspielerische Stolpersteine: die Nationalsozialismus-Metaphorik mit ihren Sturmtruppen, die in bester Leni Riefenstahl – Tradition in Massenszenen einer Rede des Weltraum-Hitlers General Hux (Domhnall Gleeson) lauschen, wirkt sehr holzschnittartig, was die steife Performance des britischen Darstellers Gleeson nicht unbedingt besser macht. Oscar Isaacs Figur, X-Wing-Pilot Poe Dameron, bleibt als Charakter relativ unausgearbeitet, so als hätte der beschäftigte Schauspieler wirklich nur ein paar Drehtage Zeit gehabt. Generell herrschen zwischen ihm und dem restlichen jungem wie altem Cast wenig Reibungspunkte, was wiederum schade ist, denn zu Beginn des Filmes kann er noch mit ironischem Humor unter widrigen Umständen punkten. Man kann nur hoffen, dass seine Rolle in den Fortsetzungen weiter ausgebaut wird, denn die Reihe braucht einen geerdeten Star, der mit angemessenem Sarkasmus auf den Wahnsinn in dieser Galaxis reagiert.

Star Wars: The Force Awakens Poe Dameron (Oscaar Isaac) and a First Order Trooper Ph: David James © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved..

X-Wing Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac l.) bewahrt auch unter den widrigsten Umständen einen kühlen Kopf © Walt Disney

Die junge Besetzung um Daisy Ridley und John Boyega funktioniert jedoch sowohl in humorvollen als auch in dramatischen Momenten sehr gut, auch wenn ihnen ein wenig mehr Charaktermotivation gut getan hätte. Wieder einmal ist es Harrison Ford und seinem zotteligen Freund Chewbacca (Peter Mayhew) zu verdanken, dass  grummeliger Spaß auf der Leinwand entsteht. Insbesondere Fords lakonischer und chronisch miesgelaunter Han Solo mitsamt Galgenhumor hat man seit vielen Jahren auf der Leinwand vermisst. Überraschend auch Adam Driver als dunkler Jedi Kylo Ren, der sich zwar wie sein ikonischer Vorgänger Darth Vader ähnlich maskiert, aber in seiner Physis beweglicher erscheint und seinem Bösewicht eine ganz eigene Bedrohlichkeit verleiht.

„Star Wars“ kann wieder als großes Kinoereignis wahrgenommen werden. Zwar bleibt abzuwarten, ob sich die Spannung mit einem Star Wars Film pro Jahr halten lassen kann, aber Regisseur J.J. Abrams hat ein grundsolides Fundament gelegt.

STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT

Bewertung: 4 von 6
Starttermin: 17.12.2015
Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Carrie Fisher, Harrison Ford, Adam Driver, Gwendoline Christie, Peter Mayhew, Domhnall Gleeson, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Anthony Daniels, Kenny Baker, Warwick Davis, Max von Sydow, Tim Rose, Ken Leung, Greg Grunberg
Regie: J.J. Abrams
Kamera: Daniel Mindel
Drehbuch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt
Musik: John Williams
Produktion: J.J. Abrams, Bryan Burk, Kathleen Kennedy
Ausführende Produktion: Tommy Harper, Jason D. McGatlin

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