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STELLA SOMMER – 13 Kinds of Happiness

22 Juli 2018 No Comment
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Bei Stella Sommer ist nichts wirklich Zufall. Ihr Solodebut erscheint natürlich im Hochsommer und verbreitet selbstverständlich die Kälte, die man der Indie-Chanteuse mit Heimathafen „Die Heiterkeit“ zugetraut hätte. Hatte Sie noch beim letztjährigen Interlude mit Max „Drangsal“ Gruber auf einer famoser 10“ mit den Mausis ihr skurril-humorvolles Talent betont, findet sich nun auf dem englischsprachigen „13 Kinds Of Loneliness“, eine Mischung aus minimalistischem 80s Wave, sakraler Meditation, krautigem Flimmern und vor allem Stellas herb-dunklem Timbre.

Schon für die letzte Bandplatte, hatte Stella mehr als 20 Songs geschrieben von denen nicht alle umgesetzt werden konnten. Und so verfolgt ihr Solodebut musikalisch durchaus den Weg der letzten Heiterkeit-Veröffentlichung „Pop & Tod I+II“, der wegführte vom teilweise erratischen Lofi-Geschrammel der ersten beiden Platten, hin zu griffigen, schwarzdunklen Popjuwelen. Unter den Gästen, die auf „13 Kinds Of Happiness“ mitgewirkt haben, finden sich mit Hanitra Wagner (Oracles) und Philipp Wulf (Messer) auch zwei maßgebliche Leute des momentanen Die Heiterkeit Line-Ups.

Die Vorabsingle „Light Winds“ ließ mit ihrer federleichten Melodie und Stellas dunkler Stimme hoffen, dass hier ihr wieder ein großer Wurf gelingen könnte.
Man sollte Recht behalten. Die Wahlberlinerin arbeitet auf ihrem Solodebut weiter an ihrem Unnahbarkeits-Status. Die Platte braucht einige Durchläufe bis man sich an die englischen Texte und die Stimme, die doch so teutonisch und kalt durch die Stücke stapft, gewöhnt hat. Danach wirkt alles wie selbstverständlich.
Die Ähnlichkeit im Sound und der Ästhetik zur deutschen Velvet Underground Ikone Nico ist dabei nicht zu überhören. Egal ob sphärische Keyboards beim Titelsong oder die Beatnik-Orgel bei der potentiellen Single, dem polternden „Dark Princess, Dark Prince“: Stella Sommers Stimme zieht alles an wie ein schwarzes Loch.

„Do You Still Love Me Now?“ evoziert entspannt und raffiniert den entschlackten Sound der deutschen Poppioniere NEU. Bei „Birds Of The Night“ darf dann der „dunkle Prinz“ Dirk von Lowtzow höchstpersönlich die gespreizte Kunstfertigkeit aus seinem „Phantom/Ghost“ Projekt im Duett lustvoll zur Schau stellen.

„Boat On My River“ verbreitet mit Analogsynthies den schroffen Klang der frühen Human League bis sich dann doch ein versöhnlicher Refrain aus der Kälte schält. Das schmachtende und doch resignative „Collapse/Collapsing“ wiederum, klingt musikalisch und gesanglich fast wie Morrissey zu Beginn dessen Solokarriere, als er noch aufregend und zwingend agierte.

Ganz zum Schluss nimmt sich die Sängerin der Heiterkeit dann doch die Freiheit eine musikalische Petitesse in deutscher Sprache zu offerieren und mit „Hierhin kommt der Teufel“ gelingt ihr dann ein geflüstertes kleines Schauermärchen, welches sich bestens bei einem Remake von Werner Herzogs Nosferatu als Soundtrack eignen würde.

Insgesamt eine wirklich gute Platte und der gelungene Versuch sich in englischer Sprache zu behaupten. Dreizehn sehr spezielle Arten des „Glücks“, die Untiefen ausloten und lohnen gehört zu werden. Die nächste Platte der Heiterkeit ist übrigens auch im Kasten und soll in absehbarer Zeit ebenfalls erscheinen.

Bewertung: 4,5 von 6
VÖ: 10.08.2018
Label: Affairs Of The Heart
Format: Vinyl / CD / Digital
www.stellasommer.bandcamp.com

Tracklist:

1. 13 Kinds Of Happiness
2. We Love You To Death
3. Light Winds
4. Do You Still Love Me Now?
5. Dark Princess, Dark Prince
6. Birds Of The Night
7. I Had No Idea
8. For A Loner
9. A Certain Glow
10. Boat On My River
11. Collapse/Collapsing
12. I Take An Interest
13. Hierhin Kommt Der Teufel

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