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SUICIDE SQUAD

18 August 2016 No Comment
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© Warner Bros.

Für den etwas erzwungen wirkenden Unterhaltungswert stellt Regisseur David Ayer ein Team aus Außenseitern und angeblich Verrückten zusammen, die aber typisches Weltenretter-Zeugs machen. Ein nur stellenweise erheiterndes Erlebnis.

Wer von diesem Kinosommer und den diversen Blockbuster-Enttäuschungen, die dieser hervorgebracht hat, noch nicht unangespitzt in den Boden gerammt wurde, darf sich nun mit „Suicide Squad“ vielleicht endgültig die letzte Kugel geben und danach auf einen spektakulären Herbst oder Winter hoffen. Jahreszeiten, die nicht so sehr unter Druck stehen, Kinofilme hervorzubringen, die große Kassenschlager sind, sondern wiederum mehr auf die Award-Season zugeschnitten sind. Es ist die Frage, ob „Suicide Squad“ bei einer derart, teils inszenierten, teils unfreiwillig-chaotischen, Produktionsgeschichte jemals die Chance hatte, ein wirklich guter Action- und Unterhaltungsfilm zu werden.

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Dieses Chaos begann nämlich schon vor zwei Jahren. Und leider ist es mittlerweile kaum noch möglich, nichts von schwierigen Produktionsgeschichten mitzubekommen, sobald man das Internet aufschlägt. Zum einem gab es ein früh veröffentlichtes, erstes Bild von Jared Letos Joker-Interpretation, dem „hahahahaha“ auf Arme und Brust sowie das Wort „disturbed“ (übersetzt: verstört) auf die Stirn geschrieben wurde. Nur für den Fall, dass das Clowns-Make Up, die grünen Haare, die irre Lache und die generell mörderischen Tendenzen der Joker-Figur zu subtil für den ein oder anderen Zuschauer sein könnten. Leto wurde letztendlich ein besserer Joker während der Dreharbeiten als auf der Leinwand selbst, schickte seinen Co-Stars tote Ratten, Kondome und Anal-Kugeln. Das machte ihn zwar nicht unbedingt zum tödlichen Gegenspieler, aber irgendwie zumindest nervtötend – wie Mehod-Acting, wenn man es so nennen möchte, eben für normalsterbliche Schauspieler gelegentlich sein kann. Tom Hardy, der die Figur Rick Flag spielen sollte, stieg wegen Terminschwierigkeiten aus und um mit seinem Vater eine Mini-Serie über den internationalen Seehandel zu drehen – wahrscheinlich eine weise Entscheidung. Schwarzes Charisma-Loch Jai Courtney schmiss wohl halluzinogene Pilze während Dreharbeiten ein, weil… wegen… Schauspiel!?

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Außerdem sorgte die Nachricht, dass ein Set-Therapeut für den Cast engagiert wurde, um den harten und düsteren Dreh durchzustehen, für ein kollektives Augenrollen. Mit aller Gewalt versuchte das gebeutelte Warner Bros.-Studio die Welt zu überzeugen, dass „Suicide Squad“ ein total abgedreht-crazy und düsterer Film wird, und Autor und Regisseur David Ayer war ein durchaus veritabler und solider Kandidat für diese Aufgabe. Dann kam irgendwann „Batman v Superman“ heraus und wurde nach einem Initialerfolg mit allgemeiner Gleichgültigkeit aufgenommen. Vieles vom ursprünglichen „Suicide Squad“-Film wurde wieder umgeschmissen, um den Publikum und natürlich auch den bösen, bestochenen Kritikern auf ganzer Welt zu versichern, dass dieser Film ein leichterer und spaßigerer Blockbuster wird. Denn die Lehre, die Warner Bros. aus „Batman v Superman“ zog, war nicht, dass Zack Snyder ein bestenfalls mäßiger Regisseur ist und Drehbuchschreiber David S. Goyer bestenfalls ab und zu zufällig in ein gutes Drehbuch stolpert, sondern dass das Publikum nur bunten Marvel-Spaß haben möchte. Und was dem Publikum von der Marketingabteilung und den Produzenten angedichtet wird, bekommt das Publikum auch, ob es tatsächlich möchte oder nicht.

SUICIDE SQUAD

© Warner Bros.

Nicht immer bedeutet ein chaotischer Dreh auch automatisch einen schlechten Film. Das Ergebnis ist in diesem Fall leider genau so ein Durcheinander, wie man es bei dieser Entstehungsgeschichte erwarten konnte: Weil der chronisch schlecht gelaunte Superman des DC-Cinematic-Universe immer noch als konstante Bedrohung gesehen wird, trommelt Regierungsagentin Amanda Waller (Viola Davis) eine Gruppe aus Psychopathen zusammen, die mal mehr und mal weniger ausgeprägte, übermenschliche Fähigkeiten besitzen. Diesen wird prompt ein Sprengsatz in den Kopf gepflanzt, damit sie spurten, wenn man ihnen etwas befehlt.

Es wäre an dieser Stelle müßig für Schreiber und Leser, alle diese vermeintlich geistig gestörten Individuen aufzuzählen und sie werden im Film noch einmal ausführlich vorgestellt, was tatsächlich zu den unterhaltsameren Teilen des Actioners gehört. Hauptaugenmerk liegt auf Deadshot (Will Smith) und Harley Quinn (Margot Robbie): Smith macht mit seinem naturgegebenen Charisma das Beste aus dem wenigen Material, welches ihm zur Verfügung gestellt und versucht dem nicht wirklich bösen oder verrückten Profikiller, Scharfschützen und Vater einer süßen Tochter, so etwas wie Leben einzuhauchen. Margot Robbie wiederum macht ebenfalls das Beste aus dem schwachen Material und darüber hinaus der knappen Kleidung, welche ihr zur Verfügung steht und versucht ihre verkorkste, von psychischer und physischer Misshandlung geprägte Beziehung zum Joker nachvollziehbar zu machen. Das sind zwei durchaus faszinierende Figuren, die der Film gleich zweimal vorstellt, aber trotzdem keinen Zugang zu ihnen findet, der nicht von abgenutzten Klischees geprägt ist.

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Der Joker selbst kommt trotz aller Jared Leto-Sexspielzeug-Bemühungen letztendlich vielleicht fünf bis zehn Minuten im ganzen Film vor, um seine geliebte Harley Quinn zu erretten. Die wahre Mission des dreckigen Comic-Dutzends ist eine andere: Archäologin June Moone (Cara Delevingne), die bei einer Expedition von der altertümlichen Hexe Enchantress besessen wurde, und eigentlich selbst für das titelgebende „Suicide Squad“ vorgesehen war, hat eigene Pläne und erweckt ihren ebenfalls altertümlichen Bruder wieder zum Leben, um mit ihm zusammen mittels einer obskuren Doomsday-Maschine entweder die Weltherrschaft an sich zu reißen, oder diese zu zerstören – das Übliche halt. Um die beiden vor dieser Unternehmung abzuhalten, führt der unwirsche Soldat Rick Flag (Joel Kinneman) die ungleiche Truppe bestehend aus den schon erwähnten Harley Quinn und Deadshot sowie darüber hinaus Boomerang (Jai Courtney), den feurigen Diablo (Jay Hernandez), dem Krokodil-Mensch Killer Croc (Adewale Akkinuoye-Agbaje), Slipnot (Adam Beach) und Katana (Karen Fukuhara) in die Schlacht.

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Man kann vieles über „Suicide Squad“ sagen oder schreiben, aber zumindest ist er kurzweiliger als der letzte DC-Ausflug auf die Kinoleinwand. Dennoch macht dies nicht notwendigerweise einen guten Film aus. Auch der Actionfan wird seine Ansprüche nacht unten schrauben müssen, um das Abenteuer genießen zu können. Wieder einmal müssen wenig ausgearbeitete Figuren gegen buchstäblich gesichtslose CGI-Monster kämpfen. Wieder einmal werden Charaktere in den Plot eingeführt und verschwinden genauso motivationslos aus demselbigen. Das Kabumm-Finale erfüllt leider die schlechtesten Angewohnheiten der Comic-Actionwelle, nur dass die CGI-Effekte wesentlich schwächer sind als gewohnt. Darüber hinaus wird der Showdown noch mit unnötigen Sentimentalitäten gefüllt.

Der Film geht nicht kohärent mit seinem Plot und deren Figuren um, die Action ist selten in irgendeiner Form aufregend, erfrischend oder erfinderisch, emotionale Bindungen unter den Protagonisten werden hergestellt, die nicht ansatzweise verdient sind. Die Nahtstellen, bei dem das Studio zur Verschlimmbesserung angesetzt hat, sind klar sichtbar. Was bleibt, sind einzelne Momente, die unterhalten und Darsteller, die über das Material hinauswachsen, wie z.B. Viola Davis, die als skrupellose Badass-Agentin ihre Einsatzfreude und ihr Können zur Abwechslung wieder auf der großen Leinwand zeigen darf. Zu einem stimmigen Ganzen finden die zerschnipselten Elemente und zerstreuten Figuren allerdings nie. Für einen Kinoabend, den man anschließend wieder vergessen kann, könnte das gerade noch (Betonung liegt auf GERADE) so ausreichen. Ob man dafür Geld ausgeben möchte, sei jedem selbst freigestellt.

Bewertung: 3 von 6
Starttermin: 18.08.2016
Darsteller: Will Smith, Margot Robbie, Viola Davis, David Harbour, David Harbour, Jared Leto, Jai Courtney, Jay Hernandez, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Cara Delevingne, Joel Kinnaman
Regie: David Ayer
Kamera: Roman Vasyanov
Drehbuch: David Ayer
Produktion: Bruce Franklin, Andy Horwitz, Alex Ott, Richard Suckle
Ausführende Produktion: Geoff Johns, Steven Mnuchin, Deborah Snyder, Zach Snyder, Solin Wilson

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