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SUZAN KÖCHER’S SUPRAFON – „Suprafon“

6 November 2019 No Comment
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Ihr Debüt „Moon Bordeaux“ vor zwei Jahren hatte noch den Charakter eines Soloalbums, mittlerweile ist das Selbstverständnis von Sängerin Suzan Köcher, Gitarrist Julian Müller, Bassist Alfie Joy und Drummer Jens Vetter klar das einer Band. Sie haben aus den Songs von Köcher und Müller eine ganz eigenständige Musik geformt und insofern ist es nur konsequent, dass sie sich als Interpret jetzt Suzan Köcher’s Suprafon nennen. Supraphon (man achte auf die Schreibweise!) ist das größte tschechische Plattenlabel und veröffentlich seit 1932 hauptsächlich klassische Musik. Und Tschechien, insbesondere Prag, spielt auf diesem Album eine besondere Rolle, wie auch an den Songtiteln auf der zweiten Hälfte ersichtlich.

Doch zunächst geht es einmal nach Texas. Dorthin, genau genommen nach Austin, hat es die Band zu den Aufnahmen verschlagen. Der Sound der Platte ist anders als auf dem Debüt, aber kein bisschen schlechter. Man hört, wie sehr die vielen Konzerte die Band zu einer musikalischen Einheit gemacht haben. Und die konsequente Verwendung von Vintage-Instrumenten sorgt für einen analogen Klang. Jens Vetter bedient neben dem Schlagzeug auch alte Keyboards und Synthesizer, deren Sounds sich mit Müllers Gitarrenmelodien mischen und bunte Klangbilder zaubern, über die sich Köchers Stimme ausbreitet. Manche musikalischen Momente erinnern an den „More“-Soundtrack der frühen Pink Floyd, Krautrock und auch später 60s-Pop klingen durch.

Die erste LP-Seite entführt den Zuhörer zwischen dem spooky-Opener „Peaky blinders“ und dem epischen „Texan sun“ in die USA, während die zweite Seite wie eingangs erwähnt, von einer Reise nach Prag inspiriert ist. Das sphärische „Zitra” steht für das morgendliche Aufwachen und dann geht es in die Stadt. „Hlavni nádrazí” ist von dem alten Hauptbahnhof inspiriert, „Písen dne” handelt von dem weiteren Verlauf des Tages, der dann in dem abendlichen Konzert, das die Band spielt, seinen Höhepunkt findet („Suprafon“). Die tschechischen Songtitel mögen auf den ersten Blick etwas fremd wirken, die Texte sind jedoch in englischer Sprache und die Musik hat viele repetitive Elemente, wie man sie auch im Krautrock findet, aber ist dennoch sehr lebendig angelegt und bietet so auch eine andere Stimmung als auf der ersten Seite.

Suzan Köcher’s Suprafon überzeugen mit dieser Mischung aus zwei Welten, die unterschiedlich klingen und unterschiedliche Stimmungen transportieren, aber dennoch klar von der gleichen Band stammen und durch die unverwechselbare Stimme von Köcher ein starkes Aushängeschild hat.

Bewertung: 5 von 6
Label: Unique
VÖ: 08.11.2019
Suzan Köcher’s Suprafon auf Facebook

Tracklist:
1. Peaky blinders
2. Poisonous ivy
3. Night by the sea
4. Texan sun
5. Zitra
6. Pesky do mesta
7. Hlavni nádrazí
8. Písen dne
9. Suprafon

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