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THE CORAL – Move Through The Dawn

28 August 2018 No Comment
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Durchschnaufen! The Coral hatten nach ihrem berauschenden Debüt 2002, dem viel gefeierten „Roots & Echoes“ 2007 und dem perfekten „Butterfly House“ 2010 ihren Merseybeat-Bandsound perfektioniert, aber die Schnauze vom Bandleben erstmal auch gestrichen voll. Die Jungs um Mastermind James Skelly suchten neue Herausforderungen in Soloprojekten, veröffentlichten eine unausgegorene, bislang unveröffentlichte, Coral-Platte und kamen 2016 mit dem psychedelisch-dräuenden „Distance Inbetween“ zurück.

Spätestens hier war der Einfluss des neuen Lead-Gitarristen Paul Molloy (Ex-Zutons) zu spüren, der bereits mit Coral Drummer Ian Skelly beim Sideprojekt Serpent Power den massiven 60s Psychedelic-Freakout praktiziert hatte. Alte Harmonien waren so gut wie nicht hörbar. „Move Through The Dawn“ besinnt sich nun wieder mehr auf die stärkste Phase der Band. Insgesamt melodiöser und mit mehr janglenden als fuzzverzerrten Gitarren ausgestattet, hält das neue Album den Spannungsbogen auf Dauer angenehm hoch.

Gleich zu Beginn begrüßen beim Doppelschlag-Opener „Eyes Like Pearls“ und „Reaching Out For A Friend“ vertraute Coral-Harmonien und der Hörer fühlt sich von den Vibes her, angenehm an die E.L.O. der späten 70s erinnert. Das Schlagzeug patscht vor sich hin und die akustischen Gitarren dominieren. Streicher sowie Tasteninstrumente von Nick Power flirren bittersüß und Ian Skelly hat insbesondere bei der zweiten Vorabsingle „Eyes Like Pearls“ den warmen Flow in der Stimme, den man länger schon vermisst hatte. Die perfekte Einstiegsmusik für den nahenden Spätsommer.
Auch sonst haben The Coral wieder alle diese vorwärtstreibenden Melodiebögen wie z.B. bei „Eyes Of The Moon“ und „She’s A Runaway“ am Start, zollen den Monkeys bei „Love Or Solution“ Tribut oder geben sich folkig wie bei „Undercover Of The Night“.

Im Video zur aktuellen Single „After The Fair“, schwelgen die fünf Bandmitglieder in englischer Seebadromantik am Strand und das rein akustische Stück generiert als Schlusspunkt, einen der stärksten Momente der neuen Platte.

Anderswo, bei der vorab veröffentlichten Vinylsingle „Sweet Release“, lässt man es fast so psychedelisch krachen wie beim Vorgänger und „Stormbreaker“ klingt mit seiner brachialen Orgel tatsächlich auch nach Deep Purples „Stormbringer“.

Wer sich auch mit den Soloplatten der Mitglieder beschäftigt hat und eventuell noch das, auf dem hauseigenen Skeleton Key Records erschienene „Cut From A Star“ von Ian Skelly im Ohr hat, erkennt hier etliche Motive des späten 70s Rock mit Mellotron und String-Synthesizer wieder. Besonders bei „Strangers In The Hollow“ badet die Band förmlich darin.

Insgesamt, nach Jahren der Findung und Selbstverwirklichung, stellt „Move Through The Dawn“ einen deutlichen Formanstieg dar und ist eine Platte, die alle Facetten der einflussreichsten Band aus Liverpool der letzten 15-20 Jahre bestens abdeckt. Auch die kuriose Covergestaltung lässt Raum für Imagination und passt zu den Texten, die sich nach wie vor auch mit der dunklen & übersinnlichen Seite des Daseins beschäftigen.

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 10.08.2018
Künstler: http://www.thecoral.co.uk
Label: Ignition (Indigo)
Format: CD / Digital / Vinyl

Tracklist
1. Eyes Like Pearls
2. Reaching Out For A Friend
3. Sweet Release
4. She’s A Runaway
5. Strangers In The Hollow
6. Love Or Solution
7. Eyes Of The Moon
8. Undercover Of The Night
9. Outside My Window
10. Stormbreaker
11. After The Fair

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