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THE DAMNED – 17.05.2018, Frankfurt am Main, Batschkapp

22 Mai 2018 No Comment
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The Damned waren 1976 die erste englische Punkband, die eine Single veröffentlichte Die erste Punkband, die ein Album veröffentlichte und die erste Punkband, die in den USA tourte.

Was wir heute unter 1976er Punkrock verstehen, wurde von der heiligen Dreieinigkeit – Sex Pistols, the Clash und the Damned – geprägt. The Clash gibt es nach dem Tod von Joe Strummer schon lange nicht mehr und die Sex Pistols haben bis auf eine Scheibe und eine Reuniontour in 1996 nicht viel auf die Kette gekriegt.

Was The Damned von der grauen Masse der Punkbands abhebt, war die Tatsache, dass sie allesamt gute Musiker waren, viel Humor zeigten, chaotisch waren, kommerzielle Fehler begangen und es dennoch verstanden ihre Karriere bis zum heutigen Tag mit diversen Ups and Downs am Leben zu erhalten. Einziger personeller Fixpunkt ist Sänger Dave Vanian, ein ehemaliger Totengräber, der gerne den Gentleman auf der Bühne gibt.

Nachdem Bandgründer Brian James die Band 1978 verliess, übernahm der bisherige Bassist Captain Sensible die Songwriting-Pflichten und kreierte auf „Machine Gun Etiquette“, „Black Album“ and „Strawberries“ Punkrock-Klassiker. Mit dem Start seiner kommerziell erfolgreichen Solokarriere beendete er nach einer Weile seine Tätigkeit bei der Band. Vanian und Drummer Scabies scharten ein neues Team um sich, unterschrieben einen Vertrag bei dem Majorlabel MCA und hatte einen Hit mit dem Barry Ryan-Cover „Eloise“. Nach Jahrzehnten mit gelegentlichen Veröffentlichungen und Kirmeskappellen-Besetzungen (Krefeld 1992?) kam Captain vor ein paar Jahren zurück, aber die grosse Reunion war noch nicht da. Durch Crowdfunding konnte die Band genügend Geld für eine neue Produktion finanzieren und mit dem Wiedereinstieg von Paul Gray am Bass kam die Sache ins Rollen – der bekannte Produzent Tony Visconti (David Bowie, T. Rex) wurde als Wunschkandidat gefragt und holte die Band in das Atomic Sound Studio nach Brooklyn, New York, wo in zwei (!) Wochen inklusive Proben das Album in alter Manier aufgenommen wurde. Keine Separation, man spielte das Album live ein wobei Visconti sehr viel Wert auf die Gesangspart legte, die mehrfach übereinander gelegt wurde. Das Ergebnis kann sich hören lassen, wobei am kreativen Prozess alle Bandmitglieder gleichberechtigt beteiligt waren.

Im ersten Konzert einer kurzen Europatournee um das neue Album „Evil Spirits“ (Spinefarm Records) zu promoten ist die „neue“ Batschkapp gut gefüllt, viele Fans kommen weit angereist und das Frankfurter Punk Who is who is vollständig versammelt. Ohne angekündigte Vorgruppe geht es pünktlich um 9 Uhr nach einem hymnenhaften, soundtack-ähnlichen Intro courtesy Dave Vanian los worauf die Band ein sehr präzises, dynamisches Set spielt, das beweist, dass sie immer noch die #1 Punkrock-Band sind.

Gitarrist Captain Sensible kommt mit sumokäpfer-artigen Schritten in Jeansjacke und Basketballboots auf die Bühne und wirkt trotz seiner 64 Jahre (!) körperlich fit und agil. Sänger Dave Vanian ist mit seinen 61 Jahren wie ein Hollywood-Star der Zwanziger Jahre in einem eleganten schwarzen Anzug mit weissen Halstuch und schwarzen Handschuhen gekleidet und wirbelt als Belzebub-Zeremonienmeister derwischhaft über die Bühne wobei der das Mikrophonkabel herumwirbelt. Seine charismatische Performance wird duch kleine Gesten (Lehnen auf Mikrophonständer u.a.) wirkungsvoll ergänzt. Auf seinen Mikrophonständer, stilgerecht mit 50s Mikrofon, ist ein grüner Spot gerichtet. Zwischen den Pausen sippt er an einem Glas Rotwein oder trinkt Wasser. Eine kurze Handbewegung und die Band stürzt sich kamikazehafat in den nächsten Song. Mit „Is she really going out with him?“ eröffnet er die erste Punksingle ever „New Rose“ worauf die Batschkapp explodiert und der Pogomob nach „Second time around“ im Moshpit wieder tobt. Vanian ist gut drauf und singt darüber den Text von Chris Montez‘ „Let’s dance“ Hey baby, won’t you take a chance? Say that you’ll let me have this dance.“ Gesanglich ist seine Stimme wie ein Wein besser geworden und er phrasiert wie ein Frank Sinatra und variiert die bekannten Lieder.

Enttäuscht darüber, dass Bassist Paul Gray nicht dabei ist weil er andere Verpflichtungen wahrzunehemn hat, wird er durch Jon Priestley, der den typischen Paul Gray-Bass Sound imitiert.

Neuer Drummer ist Pinch, der solide und präzise wie eine Uhr spielt aber die Unberechenbarkeit und Extravaganz eines Rat Scabies vermissen lässt.

Zu guter letzt ist noch Monty Oxymoron von Captain Sensibles alter Band Punk Floyd, 55 Jahre, an den Keyboards dabei, der wie ein Afro-Rumpelstilz herumwirbelt und bei „Antipope“ dem Publikum den Segen erteilt. In Seiner Heimat Brighton ist er eine bekannte Szenegrösse und spielt Jazz oder Improvisationen wenn er nicht für Dr. Eugene Chadbourne trommelt oder im Nebenjob in der Psychatrie als Pfleger arbeitet.

Interessant, dass sie lediglich zwei Lieder vom neuen Album spielen (Standing on the edge of tomorrow, Devil in disguise) während The Black album schwerpunkt mässig verteten ist. Ansonsten geht es im 21 Lieder umfassenden Set querbeet von frühen Liedern (neat neat neat, so messed up, fan club) über Hits (Love song, I just can’t be happy today, Smash it Up Pt. 1 and 2, History of the world) hin bis zur MCA-Phase (eloise, under the floor again). Animiert von Captain Sensible mitzusingen, hört das Publikum nach „Thanks for the night“ nicht mehr auf. Zwischendurch lobt Bierfan Captain Sensible das Schöfferhofen-Hefeweizen. Nach 2 Stunden ist das gelungene Konzert endgültig vorbei und überall gibt es glückliche Gesichter. Backstage erzählt mir Monty später, dass The Damned im Sommer mit Alice Cooper und Hollywood Vampires (mit Johnny Depp) Festivals in UK spielen werden „Evil spirits“ ist in die englischen Charts eingestiegen.– scheint, dass die Gruppe endlich die Anerkennung bekommt, die ihr zusteht. Verdient haben sie es allemal.

 

1. Wait for the blackout
2. Plan 9 channel 7
3. Standing on the edge of tomorrow (NEW)
4. Fan club
5. Dr. Jekyll and Mr. Hyde
6. Antipope
7. Street of dreams
8. Love song
9. Second time around
10. Just can’t be happy today
11. Devil in disguise (NEW)
12. New rose
13. Eloise
14. Thanks for the night
15. History of the world
16. Neat neat neat
17. Under the floor again
18. So messed up
19. Lively arts
20. Silly kids games
21. Smash it up Pt. I and II

Captain Sensible
Dave Vanian
Monty Oxymoron
Jon Priestley – bass
Pinch – drums

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