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THE DAWN BROTHERS – Classic

18 Oktober 2018 No Comment
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Der Begriff „Vinatge“ und „Retro“ muss ja in schlechten Zeiten wie diesen fast überall für alles herhalten. Das Erinnern an alte Werte und Traditionen ist auch in der Musik der Neuzeit ein gängiger Gast. Oftmals einfach nur des Trends wegen aber im Falle des Zweitlings „Classic“, der holländischen Band Dawn Brothers, ist es die pure Lust am gemeinsamen Musizieren mit Schlagzeug (Rafael Schwiddessen), Tasten (Rowan De Vos’), Gitarre ( Bas Van Holt) und Bass (Levi Vis), die den Hörer ansteckt.

Bereits beim Opener „Summer Jam 2017“ werden alle Stärken und die große Imaginationskraft des jungen Quartetts eindrucksvoll verdeutlicht. Man könnte hier meinen die Ur-Santana-Besetzung habe sich mit Curtis Mayfield an der US-Westcoast des Jahres 1970 zu einem ungezwungenen Jam verabredet. Alles greift fließend und völlig homogen ineinander.

Auch der Vorabtrack „Holy Water“, hat die Dynamik und Leichtigkeit eines Spätsechziger R&B Manifestes, mit glasklarem und mehrstimmigem Chorgesang. „Lucky Charm“ geht zurück in die goldenen 50s, mit polterndem Schlagzeug, Country Twang und schmachtender Message an die Angebetete.
Wie geschickt das „Classic“ Soundgewand und die angenehm aufgeräumte Produktion durch Pablo van de Poel (DeWolff) gestrickt sind, zeigt dann „Sweet Love“, das entlang entspannter Licks und Orgel Fill-Ins wieder in die frühen 70s wandert.

Man merkt den Dawn Brothers an, dass sie in kurzer Zeit sehr viel Live-Erfahrungen gesammelt haben. Die vier Rotterdamer sind Brüder im Geiste und setzen mit orgelgetriebenen Balladen wie „Too Many Colours In The World“, sehr gelungene Kontrastpunkte zu den kernigeren Stücken. „Yours & Mine“ hätte als „Tränenzieher“ auch den Black Crowes zu Gesicht gestanden. Vis und Van Holt intonieren nicht nur hier mit großem Einfühlungsvermögen. Der starke englische Leadgesang von beiden, ist eine der Stärken der Holländer.

Bei „Gas To Carry On“ schimmern die unvergessenen CCR durch aber die Dawn Brothers mischen noch so viel eigene Klasse darunter, so dass der dynamische Song zu einem weiteren Highlight der Platte gerät. Die Single „How Come“ schreitet erhaben voran wie ein „swampiger“ New Orleans Trauermarsch.

Das hintere Drittel der Platte birgt mit dem aufgekratzten „Got To Act“, das am Ende mit den Blues Brothers auf und davon läuft, dem geschmeidig-mellotronverzierten „Hood Ornament“ und der C, S & N Verneigung „Eagle One“ weitere großartige Stilvielfalten. „What A Feeling Can‘t Do“ beschließt mit sphärischen Gitarren und im vorsichtigen Trap diese famose Scheibe.

Es ist eine Freude „Classic“ wieder und wieder laufen zu lassen und jeder einzelne Song hat seine Position im Gesamtkontext. Nur noch wenige Bands schaffen es auf Albumlänge im Indierock-Sektor ihre Band-DNA so kohärent zu formulieren wie The Dawn Brothers. Eine feine Weiterentwicklung zur ersten Platte und auf die Liveumsetzung im Rahmen der Tour mit DeWolff darf man sich freuen (Dates, siehe unten).

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 12.10.2018
Künstler: http://www.dawnbrothers.com
Label: V2 / H’art
Format: CD / Digital / Vinyl

Tracklist:
1. Summer Jam 2017
2. Holy Water
3. Lucky Charm
4. Sweet Love
5. Too Many Colours In The Sun
6. Yours & Mine
7. Gas To Carry On
8. How Come
9. Got To Act
10. Hood Ornament
11. Eagle One
12. What A Feeling Can‘t Do

Tourdates im Herbst mit DeWolff
01.11.2018 – DE Darmstadt, Centralstation
13.11.2018 – DE Stuttgart, Goldmarks
15.11.2018 – DE München, Backstage
16.11.2018 – DE Nürnberg, Club Stereo
20.11.2018 – DE Hannover, Lux
21.11.2018 – DE Berlin, Musik & Frieden
22.11.2018 – DE Erfurt, Museumskeller
23.11.2018 – DE Dresden, Beatpol
25.11.2018 – DE Hamburg, Knust

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