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THE DOORS – London Fog 1966

19 Dezember 2016 No Comment
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Es ist eine kleine Sensation: Es existieren tatsächlich Aufnahmen von THE DOORS aus der Zeit, als sie noch nicht im Whiskey A-Go-Go spielten, geschweige denn die Aufnahmen für ihr Debüt begonnen hatten. Und diese Aufnahmen sind von der Qualität her absolut anhörbar und besser als vieles, das von bereits etablierten Acts im Jahr 1966 live mitgeschnitten wurde. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass einerseits die Aufnahmen offiziell auf Wunsch von JIM MORRISON und RAY MANZAREK gemacht wurden und nicht heimlich ohne Wissen der Band angefertigt wurden und zum anderen im London Fog nur eine sehr überschaubare Menge an Zuschauern war, die sich zudem während der Lieder akustisch zurück hielten und somit die Aufnahmen nicht mit Geschreie, Gejohle oder Gerede versauten.

Das Tonband, das die Quelle für diese Veröffentlichung ist, wurde von einer jungen Frau namens Nettie Peña angefertigt, die Morrison und Manzarek auf der UCLA Film School kennen gelernt hatte. Peña hat an diesem Abend im Mai, dessen genaues Datum hier nicht konkretisiert wird, nicht nur Tonaufnahmen gemacht, sondern auch Fotos. Und der dicke Hund der ganzen Geschichte ist, dass sie angeblich auch noch ein weiteres Tonband hat, auf dem eine 15-Minuten-Version von „The End“ enthalten sein soll, sie nur dieses Tape momentan nicht finden könne. Das, was sie jetzt gefunden und zur Veröffentlichung freigegeben hat, ist ein Mitschnitt mit einer Gesamtlänge von etwas über 32 Minuten, der die Band einerseits klar in ihrer absoluten Frühphase zeigt, aber zugleich auch schon belegt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt ihr Act und ihr Sound stand. Anders auf den jüngst von Pink Floyd veröffentlichten frühen Aufnahmen, die, ohne zu wissen wer da musiziert, keiner mit der Band in Verbindung gebracht hätte, ist hier vom ersten Ton her klar, dass es sich um The Doors handelt.

Bis auf zwei Nummern spielen sie Blues und Rock’n’Roll-Standards wie Muddy Waters‘ „Rock Me“ und „I’m Your Hoochie Coochie Man“, „Baby Please Don’t Go“ (Big Joe Williams), „Don’t Fight It“ (Wilson Pickett) und Little Richards „Lucille“. Und das machen sie gut. Auf „I’m Your Hoochie Coochie Man“ übernimmt Manzarek die Leadvocals, während Morrison mehr schlecht als recht die Harp spielt und einige Ad-Libs einsteuert. Bereits hier wird deutlich, was sich nach Morrisons Tod zeigen wird – seine Stimme war vielleicht nicht das Alleinstellungsmerkmal, aber klar der entscheidende Unterschied zu dem durchaus innovativem, gut arrangierten Spiel von Manzarek, Robbie Krieger und John Densmore. So gerät eine an sich eher unspektakuläre Coverversion wie „Don’t Fight It“ vor allem durch Morrisons Leadvocals zu einer starken Nummer, auch wenn Densmore an einer Stelle ein wenig aus dem Takt kommt.

Überaus spannend zu hören sind die beiden Eigenkompositionen, die übrigens interessanterweise nicht auf dem LP-Debüt der Doors erscheinen sollten, sondern erst auf der zweiten Platte „Strange Days“ bzw auf der fünften LP „Morrison Hotel“ („You Make Me Real“). Beide Songs sind in ihrer Grundstruktur und auch den Arrangements schon den finalen Studioversionen sehr ähnlich. Heraus zu heben ist auch die Aufmachung dieser Veröffentlichung, die in einer stabilen Kartonbox kommt und neben den Aufnahmen auf 10″ Vinyl und CD auch einen Umschlag mit Fotos von dem Abend, einer künstlich angeknitterten Setlist, einem Bierdeckel, einem Flyer und einem kurzen Essay von Nettie Peña kommt. Auf jeden Fall ist diese Box sehr viel spannender als z.B. weitere Livemitschnitte der 1970er-Tour, die zuletzt auf den Markt kamen. Für das kommende Jahr, das das 50ste Jubiläum des Debüt-Albums ist, werden weitere besondere Veröffentlichungen in Aussicht gestellt. Wir können gespannt sein. Auf jeden Fall liegt die Latte mit dieser Box schon mal recht hoch!

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 16.12.2016
Label: Rhino/Bright Midnight Archives / Warner Music Entertainment
www.thedoors.com

Tracklisting:

  1. “Tuning”
  2.  „Rock Me“
  3. “Baby, Please Don’t Go”
  4. “You Make Me Real”
  5. “Tuning”
  6. “Don’t Fight It”
  7. “I’m Your Hoochie Coochie Man”
  8. “Strange Days”
  9. “Lucille”
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