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THE FOG JOGGERS – Let’s Call It A Day

10 Oktober 2011 No Comment
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THE FOG JOGGERS - Let's Call It A Day
Viele wundern sich ja, dass junge Bands (immer noch) lieber auf Retrorock machen, als in der jüngeren Vergangenheit, geschweige denn der Gegenwart oder experimentellen Zukunft nach Inspiration zu grasen. Aber die letzte auch analog aufgewachsene Generation ist noch mit den Platten ihrer Eltern, mit den BEATLES, STONES oder den DOORS groß geworden. Und so auch THE FOG JOGGERS. Ihr festivalreifer Indierock mit Blues- und Britpop-Wurzeln hat die vier Krefelder dank exzessivem Touren zu einer der besten, so genannten Newcomerbands der letzten Jahre gehieft.

Nach den ersten beiden EPs „Autumn Girl“ (2008) und „To Strangers And Friends“ (2010) folgt nun endlich ihr Debütalbum „Let’s Call It A Day“, bis auf zwei Songs komplett mit neuem Material. Die Albumproduktion von Achim „Laser“ Lindermeir größtenteils in der Duisburger Tresorfabrik verschob sich im Vergleich zum bisherigen Sound etwas in Richtung mainstreamige KINGS OF LEON und büßt bei der Songauswahl etwas an der hemmungslosen Dreckigkeit ein, die die FOG JOGGERS live so mitreißend macht.

Die Gitarren flimmern („Waterfalls“) mal wie bei den jungen COLDPLAY oder bleiben eher ruhig, wie beim komplett kopfstimmig gesungenen „Be With You“, das irgendwie von der bitteren Sehnsucht eines „And I Love Her“ der BEATLES schwelgen lässt. Mit Jan Büttners einmaliger Scotch-Stimme können die elf Songs plus Hidden Track aber jedem Vergleich strotzen und fausterhoben von sich behaupten, dass sie dieses gewisse Timbre besitzen, was es in dieser Liga mit diesem Kaliber nur selten gibt. So sehr die Formulierung auch nach einem „Fan“ klingt, aber die Songs sind durch und durch grandios und könnten als Existenzberechtigung für zehn andere Indiebands herhalten.

Wenn man eher auf die „alten“ Hammond-getränken Bluesrock-Qualitäten der FOGYS steht, hätte die Platte sogar noch genialer sein können. Die herbeigepeitschte Steigerung, die Schweineorgel-Schlachtung und den orgiastischen Ausbruch vermeiden sie außer beim explosiven Opener „Rise and Fall“ fast gänzlich. Knackige Gitarrenriffs und schnelle Stampfer machen im melodiösen US-Indiepop-Arrangement gerne schönen „AundO“-Background-Vocals und filigranen Bass-Lines Platz.

Jeder einzelne des Mid20-Quartetts füllt seine Arbeit in der Band perfekt aus, instrumental, musikalisch wie charakterlich. Auf ihrem ersten Album können und wollen sie daher auch viele Facetten von sich zeigen, gewinnen über mehrere Songs hinweg aber selten richtig an Fahrt auf dem Rock’n’Roll-Highway-to-Hell. Neben der ersten Single „Waiting In The Wings“ zeugt gegen Ende der Platte mit „Tonite, Tonite“ – auf der letzten EP schon ein Hit – wieder von der Rockhymnen-Finesse der FOG JOGGERS.

Die zweite Single „All Too Much“ könnte sich schon fast die Fangemeinde mit BRUCE SPRINGSTEEN teilen. Stadiontaugliche „Hey-Hey!“-Backings am Ende des Songs leuten dann zum Grand Finale. Heimlich still und leise zaubern sie da die Akustikballade „Real Life“ aus dem Ärmel, gefolgt vom großartigen „Forever And A Day“. Und zum Schluss versüßt „Waterfalls“ den Abgang und liefert stellvertretend für „Let’s Call It A Day“ genügend Stoff für die nächste Party, geschützten Sex, bedingungslose Liebe und alles dazwischen. „I’ll be in love forever!“… „Have you ever felt love?“

Label: Welcome Home Music / Snowwhite
VÖ: 14.10.2011
Bewertung: 6/6

thefogjoggers.com

Trackliste:
01. Rise & Fall
02. Waiting In The Wings
03. Everyday
04. DYKM
05. Be With You
06. Nothing In This World
07. Tonite Tonite
08. All Too Much
09. Real Life
10. Forever And A Day
11. Waterfalls
12. Will You (Hidden Track)

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