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The Girls Want The Boys! Sweden’s Beat Girls 1966-1970

15 Dezember 2016 No Comment
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Swedish Beat GirlsSchon lange bevor ABBA Schweden 1974 mit schriller Wucht auf die internationale Pop-Landkarte katapultierte wurde dort haufenweise großartige Musik produziert. Außerhalb Skandinaviens bekam das allerdings so gut wie keiner mit. Erst in der Rückschau werden nun immer mehr damals völlig zu unrecht ignorierte Schätze der Liebhaber-Öffentlichkeit präsentiert. Nach dem feinen „Svenska Shakers“ von RPM International, auf dem Schwedens Beat-Mannen zum Zuge kamen, legt ACE Records nun mit „The Girls Want The Boys! Sweden’s Beat Girls 1966-1970“ das weibliche Pendant vor. Wer die Veröffentlichungen des britischen Reisse Labels kennt weiß, dass man hier im Prinzip blind kaufen kann und stets Qualität vorgelegt bekommt.

„The Girls Want The Boys“ ist allerdings ein besonderes Schmankerl, weil es – genau wie die anderen CDs der Reihe „Ciao Bella“ für Italien, „Très Chic“ für Frankreich und die „Nippon Girls“ für Japan – Abseitiges in den Fokus rückt ohne dabei musikalische Abstriche zu machen. Zwar hatte Schweden in den 60s noch keine so klare Handschrift entwickelt wie Frankreich oder Italien und der knallbunte Overkill der japanischen Mädels ist sowieso unerreichbar, aber die 24 hier versammelten Tracks bieten doch ein ganz eigenes Hörerlebnis, das familiär und doch so ganz anders klingt, als die vergleichbaren britischen und amerikanischen Counterparts.

Los geht es direkt mit zwei Solo Tracks der beiden ABBA-Damen, die genau wie ihre Männer auch in den 60ern schon maßgeblich im schwedischen Pop-Zirkus zugange waren. AGNETHA FÄLTSKOGs „Ge Dej Till Tals“ ist herrlich kitschiger Girl-Pop, bei dem direkt eine Menge Zutaten in die Manege geworfen werden: Quirlige Percussion Tupfer, schmetternde Bläser und eine quietschige Orgel. Dazu zeigt AGNETHA, dass sie schon 1969 mit ihrer Stimme umzugehen wusste. ANNI-FRID LYNGSTADT steht dem in nichts nach – ihre ins schwedische übersetzte Version von FRANCIOSE HARDYs „Comment Te Dire Adieu“ lässt einen das grandiose Original natürlich nicht vergessen, aber hat einen ganz eigenen Reiz und macht deutlich, dass sich Schwedisch hervorragend als Pop-Sprache eignet.

ELEANOR BRODELs titelgebendes „The Girls Want The Boys“ beweist dann aber prompt, dass die Schwedinnen sich auch auf Englisch behaupten  konnten. Unverschämt eingängig kommt auch ihr zweiter Song „To Love Somebody Is To Hurt Somebody“ daher – zwei Höhepunkte dieser tollen Zusammenstellung. „Kärlek Finns Det Överallt“ der MAK LES SOEURS bewegt sich dann allerdings etwas nah am Schlager, der für die 60s Schweden neben der Beat- und Soul-Welle ebenfalls eine große Inspiration war. LENA JUNOFF wischt diesen kleinen Ausrutscher mit ihrem „Good Kind Of Hurt“ souverän weg, auf dem sie fast wie eine schwedische DIANA ROSS klingt. Auch die All-Girl-Band PLOMMONS versprüht mit ihrem rumpeligen „Last Train To Liverpool“ jede Menge Enthusiasmus. Hier jeden Song aufzuzählen würde zu weit führen, daher soll zum Abschluss nur noch der bläsergetriebene Soul-Funk von DORIS‘ „Don’t“ erwähnt werden. Da die CD bis zum letzten Titel das Niveau hält, sei der Kauf hier jedem empfohlen, der mit 60s Girl-Pop etwas anfangen kann. Neben der exzellenten Zusammenstellung gibt es wie immer bei ACE Records ein informatives und schickes Booklet obendrauf.

Bewertung: 6/6
Label:
ACE Records
VÖ: 11.11.2016
https://acerecords.co.uk/

Trackliste:
  01. Ge Dej Till Tåls – Agnetha Fältskog

  1. Så Synd Du Måste Gå – Anni-Frid Lyngstad
  2. The Girls Want The Boys – Eleanor Bodel
  3. Kärlek Finns Det Överallt – MAK Les Soeurs
  4. Good Kind Of Hurt – Lena Junoff
  5. Last Train To Liverpool – Plommons
  6. Don’t – Doris
  7. Help Me Break This Habit – Bella & Me
  8. Vädret – Mona Wessman
  9. Lite För Liten – Lill-Babs
  10. You Really Have Started Something – Britt Bergström
  11. Benny Law – Plums
  12. Där Du Går Lämnar Kärleken Spår – Anni-Frid Lyngstad
  13. What’s The Reason – Sunnygirls
  14. To Love Somebody Is To Hurt Somebody – Eleanor Bodel
  15. Spela Vår Sång – Agnetha Fältskog
  16. Whatever Happened To The 7-Day Week – Bella & Me
  17. Solsken – MAK Les Soeurs
  18. Jag Är På Väg – Mona Wessman
  19. Det Får Ej Hända Igen – Suzie
  20. Om Bara Du Gav En Vink – Maritza
  21. Sunshine Boy – Angeliques
  22. En Man I Byrån – Lill Lindfors

24. Sommartid – Susanne Wigforss

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