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THE HATEFUL 8 – DVD

3 Juni 2016 No Comment
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THE_HATEFUL_8_Hauptplakat

Würde man den The Hateful 8-Regisseur Quentin Tarantino fragen, was er davon hielte seinen jüngsten Film auf DVD anzuschauen, man würde wohl wenig mehr als einen mitleidigen Blick ernten. Zu sehr lag das Augenmerk bei der Produktion des Filmes auf der Realisation im Ultra Panavision 70-Format um ein analoges Werk im ultimativen Kinoklassiker-Format zu schaffen. Das damit geschaffene Bild im 2,76:1-Format auf einen hausüblichen Fernseher zu reduzieren, oder gar auf einen Computermonitor ist wohl eine qualvolle Vorstellung für den visionären Filmemacher.

Dabei gibt es durchaus Gründe, sich ein solches Werk auf DVD oder Bluray anzuschaffen. Zum einen natürlich die Möglichkeit sich den Film wiederholt jederzeit anschauen zu können, was bei Tarantino-Filmen in der Regel auch ein immer wieder erlebtes Vergnügen ist, da die Dialoge, die Einstellungen und meist auch die Kombination aus Film und Musik Momente ergeben, die man sich wie eine gute Platte immer wieder gönnen kann. Zum anderen aber auch durch die Option den Film im englischen Originalton (auf Wunsch mit Untertiteln) anzuschauen. Und dieser Aspekt bekommt bei The Hateful 8 eine besondere Bedeutung, denn die deutschsprachige Synchronisation scheint sich ähnlich wie das Filmformat dem Niveau von den späten Sechziger bzw. frühen Siebziger Jahren angepasst zu haben. Dabei kommt ein stellenweise dümmliches Gerede heraus, das zwar tatsächlich an die Western von damals erinnert, nur dass man auf diese Reminiszenz gern verzichtet hätte.

Das englische bzw. ur-amerikanische Englisch des Originals ist zwar für ungeübte Ohren teilweise schwer zu verstehen, über die Möglichkeit die Untertitel einzublenden jedoch gut nachvollziehbar. Vor allem gibt es dem Film die Authenzität, die vom Regisseur und Autor intendiert ist und einen beträchtlichen Teil des Charmes von The Hateful 8 ausmacht. Und stelle man Tarantino vor die Frage, was wohl ein geeigneteres Setting wäre um seinen Film angemessen zu sehen: Auf Deutsch im Kino oder auf Englisch im Fernseher – die Antwort würde wohl zugunsten der Heimlösung im O-Ton ausfallen.

Und noch ein Aspekt sollte nicht unerwähnt bleiben: Der Film ist sehr lang. Und die Chance zwischendurch für den Gang zum Kühlschrank, zur Toilette oder ins Bett unterbrechen zu können, erweist sich durchaus auch als Vorteil. Abgesehen von diesen Rahmenbedingungen findet man auf DVDs oder Blurays in der Regel auch Bonusmaterial, das mal mehr, mal weniger essentiell ist. Hier hat man es mit der zweiten Variante zu tun – die Trailer und Dokumentations-Schnipsel sind allesamt bereits von youtube bekannt und bieten keinen nennenswerten Mehrwert.

Der Film selbst ist sicher kein Kandidat für die Tarantino-Top-3 und doch ist er für Würdigung seines Werkes unverzichtbar. Der Plot ist vordergründig simpel – acht Personen stecken während eines Schneesturms in einer Herberge in Wyoming fest und es zeigt sich, dass sie mehr Verbindungen zueinander haben als es zunächst den Anschein hat. Anders als bei allen anderen Filmen des Regisseurs wechselt die Location nicht und es gibt auch keinen offensichtlichen Überlebenden aus dieser Zusammenkunft – die, die am Ende noch am Leben sind, bräuchten jedenfalls schnell einen Arzt um noch eine Chance zu haben und der wird wohl nicht mehr auftauchen. Von daher baut der Film auf den Dialogen und der Schauspielkunst der Protagonisten. Diese – zum Teil wie Samuel L. Jackson, Kurt Russell oder Michael Madsen sind bereits aus anderen Tarantino-Filmen bekannt. Bei dem von Tim Roth gespielten Charakter Oswaldo Mobray bekommt man mitunter das Gefühl als wäre diese Rolle für Christioph Waltz geschrieben worden. Die Schauspieler machen ihre Sache alle sehr ordentlich, aber halt nicht Oscar-verdächtig.

Von daher bleibt das Resümee, dass The Hateful 8 für Tarantino- und Westernfans sicherlich essentiell ist, aber für alle anderen kein unbedingtes Muss darstellt.

Bewertung: 4 von 6

 

THE HATEFUL 8

Darsteller: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walter Goggins, Demián Bichir, Tim Roth, Michael Madson, Bruce Dern, James Parks
Regie: Quentin Tarantino
Kamera: Robert Richardson
Drehbuch: Quentin Tarantino
Musik: Ennio Morricone
Produktion: Richard N. Gladstein, Shannon McIntosh, Stacey Sher
Ausführende Produktion: Georgia Kacandes, Bob Weinstein, Harvey Weinstein

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