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THE KOOKS – Let’s go Sunshine

27 August 2018 No Comment
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THE KOOKS hatten mit ihrem Debut “Inside in/Inside out” 2006 eine wirklich tolle, authentische Britpop-Platte hingelegt, die mit viel Schwung, Melodien und Verve den Bandnamen zu Recht bei Bowies kleinem Meisterwerk von 1971 entlehnte und alle Fans britischer Gitarrenmusik lauft aufseufzen ließ.

Es folgten drei weitere Platten; mehr bemühter, kommerzieller Konsens, weniger Brillanz auf Albumlänge. Die Kooks durchlebten eine Sinnkrise und Umbesetzungen, veröffentlichten als retardierendes Moment die obligatorische Best-Of und ernteten große Resonanz als Support der Rolling Stones bei deren Livekonzerten im Sommer 2018.

Am Ende stand nach abgebrochenen, desaströsen Sessions mit dem Hip-Hop Produzenten Inflo in LA , der Wille zur Rückbesinnung auf alte Stärken. Und so ist diese Platte eine gemischte Angelegenheit geworden, die mit 15 Stücken sehr ambitioniert im Ansatz der Spieldauer daherkommt, sich aber erst nach etwa 6-7 Songs vom engen Korsett der elektronischen Impulse und verstärkten Beats zu lösen vermag um alte Stilvielfalt aufblitzen zu lassen.

„Kids“ haut einem nach dem Intro nicht wirklich aus den Schuhen. Auch die Vorabsingle „All the time“ gehört repräsentativ zu dem Stil des ersten halben Dutzend Songs auf „Let’s go Sunshine“, die extrem kommerziell auf Radiotauglichkeit poliert sind. Gitarrenmusik mit Zeitgeistgefühl heißt: verstärkte Beats, Elektronik und Gitarren ganz hinten im Mix. Dazu ein recht plakativer Refrain und das bebende „I want you all the time“ von Posterboy Luke Pritchard an die Mädchenfraktion. The Kooks können das besser.

Und wie sie es könne merkt man dann z.B. bei „Four Leaf Glover“, einer Uptempo Nummer mit gängelnden Gitarren, zündendem Break und simplem, catchy Refrain. Danach wirkt der Knoten des Profanen wie gelöst. „Tesco Disco“ evoziert zeitlosen Acidfolk, der anachronistisch zurückblickt und zu dem auch der späte Bowie gönnerhaften gelächelt hätte. „Honey Bee“ wiederum, vereint Luke Pritchard gesanglich mit seinem verstorbenen Vater zum alten Bo Diddley Riffmotiv. Ein emotional-schöner Moment.

„Initials for Gainsbourg“ ist mit Glocken und Streichern glanzvoller Breitwandpop, mit schöner Bridge und schwelgerischem Refrain. „Jane ist waiting for…“ – sehr fein. „Pamela“ kommt ruppig und vorwärts-stürmend daher, als hätten die Kooks der ersten Platte die alten Levellers zum Tanz gebeten. „Picture Frame„ dann endlich eine schöne Ballade, bei der die Streicher homogen ein Melodie tragen und die signifikanten, akustischen Gitarren brillieren.

„Swing Low“ hätte tatsächlich Morrissey gut zu Gesicht gestanden und „Weight of the World“ sowie „No Pressure“ atmen definitiv die Leichtigkeit der frühen Kooks mit sonnigen Sing-Along Refrains und typischer, klingelnder Gitarrenarbeit. Ein versöhnlicher Abschluss für „Let’s go Sunshine“.

In der Summe eine Platte die mit 10 Stücken eine wunderbare Annährung an das Debut gewesen wäre, die aber trotzdem zeigt, dass mit The Kooks weiter zu rechnen ist. Luke Pritchard, Hugh Harris & Co haben noch einige Asse im Ärmel.

Bewertung: 4 von 6
VÖ: 31.08.2018
Label: Kobalt/Rough Trade
Format: CD /LP/Download
www.thekooks.com

Tracklist:
1. Intro
2. Kids
3. All The Time
4. Believe
5. Fractured and Dazed
6. Chicken Bone
7. Four Leaf Clover
8. Tesco Disco
9. Honey Bee
10. Initials For Gainsbourg
11. Pamela
12. Picture Frame
13. Swing Low
14. Weight of the World
15. No Pressure

Sascha Kilian
Sascha Kilian

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