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THE LEMONHEADS – Varshons 2

28 Januar 2019 No Comment
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Nun ja, die Jahre als Evan Dando zum perfekten Slacker-Rolemodel der 90s taugte, liegen nun auch schon etwas länger zurück. Für mindestens zwei Platten („It’s A Shame About Ray“ 1992 und „Come on Feel The Lemonheads“ 1993) waren er und seine Band The Lemonheads eine der aufregendsten Bands der US-Indieszene. Die Journaille ergötzte sich an Dandos Beziehung zur hübschen Musikerin Juliana Hatfield und war ganz nah dran am Drogenabsturz und seinem Niedergang als Musiker samt der Lemonheads Auflösung.

Es ist fast zehn Jahre her, seit Dando und seine neuformierten Zitronenköpfe mit „Varshons“ (Versions) letztmalig auf der Bildfläche auftauchten. Ein lebhaftes, gut rezensiertes Cover-Album, welches kurios anmutende Kollaborationen hervorbrachte. Gibby Haynes (Butthole Surfers) agierte als Produzent und Kate Moss (ebenfalls Rolemodel) hatte einen Gastauftritt als Sängerin.

Und jetzt noch ein zweiter Teil?
Keine neuen Songs?
Kann das funktionieren?

Ein wenig muss man die Skepsis schon ablegen aber er groovt mit „I Can’t Forget“ von Yo La Tengo wunderbar entspannt-anachronistisch hinein in dieses zweite Cover-Album. „Settled Down Like Rain“ von The Jayhawks wird sofort der typische Lemonheads-Stempel aufgedrückt. Der Zweistimmige Originalgesang von Louris und Olson wird von Dando mit Hilfe weiblicher Zweitstimme locker und entspannt transzendiert. Erstmals hört man seine meckernde fuzzverzerrte Gitarrenarbeit

Diese dominiert auch das exquisite Cover von „Old Man Blank“. Wo The Bevis Fond einst psychedelisch entrückt agierten, ist Dando kompakter und die Lemonheads drängen mächtig nach vorne. Das straighte „Things“ von Dandos Idol Paul Westerberg (Replacements) vervollständigt den starken Einstieg in diese dreizehn Songs umfassende Platte.

Im weiteren Verlauf mischt Dando scheinbar alle seine Lieblinge bunt durcheinander wie eine Jukebox. Country Twang und Feedback durchwehen die Interpretationen von John Prime (Speed Of The Sound Of Loneliness) und Lucina Williams (Abandoned). Besonders bei letzterem schlüpft Dando intensiv in die Rolle des Outlaws. „Now And Then“ von Natural Child gerät mit den Zeilen “…having trouble with myself and yes I am in pretty bad health, that don’t bother me…” gar autobiographisch.

„Magnet“ von NRBQ ist federleicht und schluffig wie zu besten Lemonheads Zeiten und spätestens hier merkt man, dass Dando die Lieder fast mühelos zu Lemonheads Songs umfunktioniert. In minimaler Bass/Gitarre/Schlagzeug-Besetzung mit ein paar wenigen Tasteninstrumenten versehen, macht der Mann das, was ihn 1992 mit dem Cover von „Hey Mrs. Robinson“ über Nacht berühmt gemacht hatte. Er entschlackt die Songs, legt kurz & kompakt deren Kern frei und überzieht sie mit einer Prise unbeschwertem 90s College-Rock.

„TAQN“ von The Eyes spielen sie punkig wie in den frühen Bandtagen Ende der Achtziger, nur um mit „Unfamiliar“ von The Givegoods in einen reggaeartigen Groove zu verfallen, bei dem man die Haschschwaden förmlich hört. Eine Melodie, die auch auf „Sandinista“ von The Clash gut aufgehoben gewesen wäre und eine Melodie, die Dando mit dem ehemaligen Smudge-Mitglied Tom Morgan geschrieben hat.

Den Abschluss bilden zwei besondere Cover-Kandidaten. „Straight To You“, der Hit von Nick Cave & The Bad Seeds aus dem 90s Album „Henry’s Dream“, zeigt den erwachsenen Evan Dando. Mit dunklerem Timbre in der Stimme und schwelgerisch. Wunderbar, wie er dieser ohnehin schon jenseitigen Hymne, bei aller Dringlichkeit, noch ein paar Nuancen Sanftheit und Reife einhaucht.

„Take It Easy“ als Rausschmeißer hätte man vielleicht nicht wirklich erwartet oder doch? Der Mann, der laut NME (über „Varshons“), „No Stranger To A Cover“ sei und als B-Seiten auch schon Cole Porter oder Buddy Holly interpretierte, spielt hier mit der ihm eigenen Lässigkeit, locker und fast kindlich naiv. Der Country der frühen Eagles wird noch mehr reduziert. Glen Frey lächelt sicher gönnerhaft oben von seiner Wolke bei so viel Empathie für den Song.

Am Ende hat er einen dann doch wieder rumgekriegt und das nicht mal mit neuen eigenen Songs sondern einfach mit der Tatsache, dass es schön ist von ihm und seinen Lemonheads nochmal zum Großteil eher obskure Klassiker entschlackt und in der nötigen Lemonheads Simplizität zu hören. Eine kleine Europatournee steht auch an und man darf hoffen, dass seine wackelige Gesundheit stabil bleibt. The Great Big YES!

Bewertung: 4,5 von 6
VÖ: 08.02.2019
Label: Fire Records/Cargo Records
Künstler: www.thelemonheads.net
Format: Vinyl / CD / Download

Tracklist:
1 Can’t Forget
2 Settled Down Like Rain
3 Old Man Blank
4 Things
5 Speed Of The Sound Of Loneliness
6 Abandoned
7 Now And Then
8 Magnet
9 Round Here
10 TAQN
11 Unfamiliar
12 Straight To You
13 Take It Easy

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