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THE PEEJAYS – Set The Record Straight

24 Juni 2017 No Comment
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Peejays Album

„A UK band from Heidelberg“ prangt stolz auf der Internetseite der PEEJAYS und stellt ohne große Umschweife klar, wo die Band ihre Vorbilder gesucht und gefunden hat. Der seelige Brit-Pop der 90er hat für die fünf Musiker nie an Glanz verloren und findet ganz selbstverständlich Einzug in die Kompositionen der PEEJAYS. An Inspiration scheint es der Band jedenfalls auch auf deutschem Boden nicht zu mangeln. So ist ihre zweite Platte direkt ein Doppelalbum geworden: „Set The Record Straight“. Doch was gibt es denn genau richtig zu stellen? Das Brit-Pop nicht tot ist? Oder geht es eher darum mit dem zurückgekehrten Originalsänger Paul Townsend noch mal auf Stunde Null zu drehen und quasi ein zweites Debüt hinzulegen?

Vermutlich beides und das schöne ist – der Plan geht auf. So sind Doppelalben natürlich immer in Gefahr etwas zu viel des Guten zu bieten. Mit zwei Mal zehn Songs bekommt man hier auch eine ziemliche Packung geboten, die aber in dieser Form auch weitaus besser funktioniert, als wenn man stattdessen die 80 Minuten Spielzeit einer CD ausgereizt hätte. So kann man bequem in zwei separaten Hördurchläufen kleine Zeitreisen unternehmen. Los geht es dann auch direkt mit breiten Gitarren-Akkorden, die sowohl an die 70er als auch an die 90er erinnern und den Weg ebnen für diese feine Platte. Großartige Innovationen darf man bei der musikalischen Ausrichtung der PEEJAYS natürlich nicht erwarten – eine handvoll Hits allerdings schon und diesem Anspruch hält die Band um die Songwriter Paul Townsend und Jan Woelfer stand.

Mit der verspäteten Adoleszenz-Hymne „Way That I Wanted“ schaut auch schnell der erste große Ohrwurm um die Ecke, während man bei dem getragenen „Billy“ den frühen ELTON JOHN heraushört. Das melodisch-dringliche „Nearly Almost Famous“ kennt man schon von der Vorab-7inch und der Song weiß sich auch im Albumkontext zu behaupten. „Who I Am“ geht dann etwas heftiger zur Sache und sorgt für einen druckvollen Schlusspunkt der ersten CD – auch wenn die Stärken der Band bei melodischerem Material besser zur Geltung kommen.

„The Tiger Is Angry“ eröffnet den Nachschlag melancholisch und dringlich zugleich. Das Pulver ist also noch nicht verschossen. Auch „Going Nowhere“ und „Shut The Door“ sind kleine Pop-Perlen, die keine Zeit lassen das Doppelalbum-Konzept zu hinterfragen. Leider folgt darauf mit „Another Latte“ der einzige Ausfall der Platte – der etwas übermotivierte Song klingt eher wie die dunkle Seite der späten 90er und mischt seltsam düstere Strophen mit Nu-Metal Gitarren im Refrain und in der Bridge gibt es oben drauf noch einen Rap-Versuch. Schnell weiter im Text. „Coming Down“ wischt diese kleine Verwirrung nämlich direkt wieder vom Tisch. Die klassische Ballade kommt erneut mit ELTON JOHN Klavier daher und hat neben dem Bubblegum-Hit „Messed Up Life“ den eingängigsten Refrain des zweiten Sets. Mit „Dear Paul, Yours John“ klingt die Platte dann fast meditativ aus, bevor sich der Song doch noch mit einem finalen Gitarrensolo in die Höhe reckt.

Mit „Set The Record Straight“ ist den PEEJAYS jedenfalls ein schöner Neustart gelungen, der sowohl zurückblickt, als auch den Weg in die eigene Zukunft weist. Denn jetzt wo alles klargestellt ist, sollte es sich ja noch mal unbeschwerter musizieren lassen.

Bewertung: 4,5/6
Label:
Villa Bäh Records
VÖ: 05.05.2017
http://www.thepeejays.de/

Trackliste:
CD 1

  1. Alright
  2. Way That I Wanted
  3. November Follows May
  4. Billy
  5. Simple Things
  6. Bullfrogs And Porcupines
  7. Undress
  8. Nearly Almost Famous
  9. World’s Biggest Grasshopper
  10. Who I Am

CD 2

  1. The Tiger Is Angry
  2. Going Nowhere
  3. Shut The Door
  4. Another Latte
  5. Coming Down
  6. Trying To Get You
  7. Messed Up Life
  8. Lost Girls
  9. Ma Tattoo
  10. Dear Paul, Yours John
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