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THE ROLLING STONES – „From The Vault: Sticky Fingers Live“

26 September 2017 No Comment
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Sie sind momentan mal wieder omnipräsent. Die aktuelle „No Filter“-Tour zeigt die Rolling Stones in hervorragender Verfassung und Fans und Kritiker wundern sich gleichermaßen wie es möglich ist, dass sie im 55. Jahr ihres Bestehens noch so überzeugend die Massen rocken können. Was immer da wirkt, wirkt verdammt gut und es spricht einiges dafür, dass die Musik daran einen großen Anteil hat. Nachdem im letzten Jahr eine DVD („!Ole Ole Ole!“) und ein Livealbum von der gigantischen Show in Cuba („Havanna Moon“) ihre ebenfalls bombastische Form auf der Lateinamerika-Tour dokumentierte, erscheint jetzt eine Liveaufnahme, die 2015 bei der Auftaktshow der Zip-Code-Tour durch Nordamerika im Fonda Theatre in LA entstand.

Nun liegt natürlich der Verdacht nahe, dass hier nun wieder die ewig gleiche Auswahl von Stonesklassikern enthalten ist, aber die Überschneidung zu „Havanna Moon“ besteht lediglich in vier Songs und einer davon ist auch das sonst eher selten berücksichtigte „All Down The Line“. Das besondere an diesem Konzert ist, dass die Band an diesem Abend erstmals sämtliche Songs eines ihrer Alben live aufführte. Das Album, dem diese Ehre zuteil wurde, ist der Klassiker „Sticky Fingers“ aus dem Jahre 1971. Der Anlass dazu war die Veröffentlichung eines Reissues der Platte in verschiedenen Ausgaben. „Sticky Fingers“ hat durch das auf so ziemlich jedem Stonesgig gespielten „Brown Sugar“ zwar einen festen Vertreter auf der Setlist, aber neben den ab und an mal gespielten „Wild Horses“, „Dead Flowers“ oder „Bitch“, sind die anderen Songs nur ganz vereinzelt und selten aufgeführt worden.

Insofern war dieser Abend schon etwas Besonderes und da das Fonda Theatre nur 1.200 Zuschauer fasst, auch ein für Stonesverhältnisse äußerst intimer Gig. Wie bei allen Veröffentlichungen aus der „From The Vault“-Reihe gibt es sowohl einen Ton- als auch einen Videomitschnitt, wobei das Filmdokument nicht ein bloßer Konzertfilm ist, sondern auch Interviews, Archivaufnahmen und Kommentare zwischen den Songs bietet. Auch die Ansagen von Mick Jagger sind im Video noch enthalten, während sie auf der CD herausgeschnitten wurden – wohl auch um alle Songs auf eine Scheibe zu bekommen. Die Vinyl-Variante verteilt die Tracks dagegen gleich auf 3 LPs um optimale Pressqualität zu garantieren.

Was die Qualität der Performance betrifft, fällt es schwer wirklich valide Kritikpunkte zu finden. Natürlich sind die Stones alte Männer, aber sie weigern sich einfach alt zu werden. Und es gab viele Shows der letzten zwanzig Jahre, wo Keith oder Ron (oder auch beide) nicht sonderlich gut drauf waren, aber hier überzeugen sie, vor allem Ron Wood gelingt es in beachtlicher Weise nicht nur die Parts von Mick Taylor, sondern auch die von Ry Cooder auf die Bühne zu bringen und unter Beweis zu stellen, wie essentiell er in den letzten Jahren wieder für die Band geworden ist.

Jagger ist sowieso ein Mysterium, noch nie hat ein Rockstar jenseits der 70 noch eine solche Form bewahrt und Charlie Watts hält mit seinem unnachahmlichen Groove den Laden zusammen. Keith musste in den vergangenen Jahren so manchen Part an das anpassen, was seine Finger ihm ermöglichen. Es sind Nuancen, die wohl nur einem Gitarristen auffallen, denn er macht das sehr geschickt und auch absolut banddienlich. Dass er manchmal nicht mehr so viele Saiten auf einmal greift wie früher, kommt dem Bandsound auch durchaus zugute – vergleicht man den Livesound der Stones von heute etwa mit dem der späten 70s oder frühen 80s stellt man angenehm überrascht fest, wie viel aufgeräumter die Arrangements klingen, was auch auf der aktuellen Tour wieder zu hören war. Es mag an ungestümer Power fehlen, aber die Stones klingen sehr gut in dieser Dekade, ohne Frage!

Also, es gibt „Sticky Fingers“ mit allen Songs, nur halt mit „Brown Sugar“ an Ende, weil das sonst dramaturgisch keinen Sinn gemacht hätte. Dazu auch eine seltene und sehr gut geratene Liveaufnahme von „When The Whip Comes Down“ und die ebenfalls rare Zugabe„ I Can’t Turn You Loose“, im Original von Otis Redding. Mal sehen, ob sie 2019 das gleiche mit „Let It Bleed“ machen, die Songs von diesem 1969er Albums haben sie jedenfalls weitaus öfter gespielt als die von „Sticky Fingers“. Vielleicht halten sie diese Form noch ein paar Jahre – es wird nicht ewig weiter gehen, aber noch können wir Zeuge dessen werden, was „The Greatest Rock’n’Roll Band In The World“ ausmacht. Es ist ein Geschenk, dass sie noch intakt sind. Long may they run.

Bewertung: 6 von 6

VÖ: 29.09.2017

http://www.rollingstones.com

 

Tracklist CD:

  1. Start Me Up
  2. When The Whip Comes Down
  3. All Down The Line
  4. Sway
  5. Dead Flowers
  6. Wild Horses
  7. Sister Morphine
  8. You Gotta Move
  9. Bitch
  10. Can’t You Hear Me Knocking
  11. I Got The Blues
  12. Moonlight Mile
  13. Brown Sugar
  14. Rock Me Baby
  15. Jumpin‘ Jack Flash
  16. I Can’t Turn You Loose

Tracklist DVD:

  1. Start Me Up
  2. Sway
  3. Dead Flowers
  4. Wild Horses
  5. Sister Morphine
  6. You Gotta Move
  7. Bitch
  8. Can’t You Hear Me Knocking
  9. I Got The Blues
  10. Moonlight Mile
  11. Brown Sugar
  12. Rock Me Baby
  13. Jumpin‘ Jack Flash

Bonustracks DVD:

All Down The Line

When The Whip Comes Down

I Can’t Turn You Loose

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