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THE ROLLING STONES – Havana Moon

13 November 2016 No Comment

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Es war mal wieder eine ihrer legendären Free-Shows, die eine Tradition zurück in das Jahr 1969 haben, wo sie ein ganz wunderbares (Hyde Park) und ein desaströses (Altamont) „umsonst-und-draußen“ Konzert gespielt haben. 2006 versammelten sie dann an der Copacabana über eine Million Fans und jetzt, 10 Jahre später, gelang den ROLLING STONES noch einmal ein grandioser Coup mit einem Auftritt in Havana, dem ersten Konzert der Band in Cuba, das ca. 450.000 Zuschauer miterlebten.Unter dem Titel „Havana Moon“ erscheint es jetzt als DVD/Bluray allein oder in Verbindung mit 3 LPs oder 2 CDs.

Angesichts der Veröffentlichung von „Sweet Summer Sun“, von den Hyde Park-Gigs 2013 erscheint „Havanna Moon“ etwas redundant, zumal nur drei Songs, die damals nicht im Set waren, hier neu auftauchen. Trotzdem ist in den drei vergangenen Jahren einiges passiert, das auch seinen Einfluss auf der neuen Liveplatte im Vergleich zur alten hinterlassen hat. Zum einen ist Saxophonist Bobby Keys, der zum ersten Mal 1969 mit den Stones gespielt hatte und seit dem (mit einer Unterbrechung von 1974-1981) immer zum Line-up gehört hatte, Ende 2014 gestorben. Er wurde durch Karl Denson ersetzt, der einen guten Job macht, aber weniger rotzig als Keys spielt und somit einen anderen Sound in die Stücke, die von Saxophon-Soli geprägt sind, bringt. Bei „Miss You“ ist es cool, bei „Brown Sugar“ fehlt der Rotz. Eine andere Veränderung ist der Austausch von Sängerin Lisa Fischer, immerhin seit 1989 bei jeder Tour dabei, durch Sasha Allen, die sich auch wacker behauptet aber einem Song wie „Gimme Shelter“ durchaus einen eigenen Stempel aufdrückt.

Die eigentliche, und immer etwas als selbstverständlich angesehene, Sensation ist jedoch, dass die Stones in ihrem vierundfünfzigsten Jahr noch immer überzeugen. Vor einigen Jahren sah die Zukunft der Band noch düster aus, Keith Richards hatte mit den Folgen der Erkrankung, die als „Palmensturz“ verlautbart worden war und der Gicht in den Fingern zu kämpfen und Ronnie Wood machte Schlagzeiten durch Alkohol-Rückfälle und Affären mit blutjungen Models – und  zeitweise sah es aus, als wären die beiden Gitarristen nicht mehr in der Lage die Band mit ihrem Sound, den sie als „the ancient art of weaving“ bezeichnen, zu tragen. Glücklicherweise erholten sie sich rechtzeitig zu ihrem 50. Jubiläum so sehr, dass die Band auf einmal wieder stärker wurde als in den ganzen Jahren davor. Und seitdem ist die Band jedes Jahr auf Tour, keine endlosen Welttourneen mehr, sondern immer konzentrierte Konzertreihen, auf einige Wochen und zusammenhängende Teile des Globus beschränkt, aber sie blieben aktiv und vor allem: In Form! Und da muss man immer wieder Mick Jagger erwähnen, dem es gelingt auch über Siebzig noch immer eine unglaubliche körperliche Präsenz in seinen Bewegungen auf die Bühne zu bringen.

Was aber sind jetzt wirklich die Präziositäten von „Havana Moon“? Die kritischen Momente in einer Stones-Show sind die ersten Takte des Openers (hier wunderbar – „Jumpin‘ Jack Flash“ funktioniert meist besser als „Start Me Up“ ), der Joker (hier auch sehr schön „All Down The Line“), die Keith-Songs (auch die sind beide gelungen), dann „Midnight Rambler“ – und auch hier gibt es einen gewaltigen Unterschied zu „Sweet Summer Sun“, denn Mick Taylor ist nicht mehr als Special Guest dabei und Ronnie Wood trägt den Song als Sologitarrist überzeugend. Zudem jammt die Band wirklich inspiriert auf dieser Nummer. Was nicht so cool kommt, ist Charlies Jazz-Solo-artiges Getrommel im Intro von „Sympathy For The Devil“ – das überzeugt einfach nicht. Ansonsten bringen die Stones die „old warhorses“ im letzten Drittel der Show überzeugend rüber, sie wirken präsent und die einmalige Atmosphäre auf diesem ersten Cuba-Gig ist einfach mitreißend.

Ein kleiner Schwachpunkt ist, dass der Sound der Audioaufnahme aus Havanna nicht ganz so überzeugend produziert wurde, wie der aus dem Hyde Park. Insbesondere bei den ersten Nummern auf „Havana Moon“ hat man den Eindruck, dass da noch nicht alle Regler am Pult optimal positioniert sind. Aber ansonsten kann man bei diesem Dokument hervorragend am Zustand der Band im Jahr 2016 erfreuen und die Zeit bis zur Veröffentlichung des Bluesalbums „Blue & Lonesome“ wunderbar verkürzen.

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 11.11.2016
therollingstones.com
Universal-Music

Tracklisting (LP/CD):
A1. Jumpin‘ Jack Flash
A2. It’s Only Rock N Roll (But I Like It)
A3. Tumbling Dice
A4. Out Of Control
B1. All Down The Line
B2. Angie
B3. Paint It Black
B4. Honky Tonk Women
C1. You Got The Silver
C2. Before They Make Me Run
C3. Midnight Rambler
D1. Miss You
D2. Gimme Shelter
D3. Start Me Up
E1. Sympathy For The Devil
E2. Brown Sugar
F1. You Can t Always Get What You Want
F2. (I Can’t Get No) Satisfaction

DVD:
1. Jumpin’ Jack Flash
2. It’s Only Rock ‘N’ Roll (But I Like It)
3. Out of Control
4. Angie
5. Paint It Black
6. Honky Tonk Women
7. You Got the Silver
8. Midnight Rambler
9. Gimme Shelter
10. Sympathy For The Devil
11. Brown Sugar
12. You Can’t Always Get What You Want
13. (I Can’t Get No) Satisfaction

DVD Bonus Tracks:
Tumbling Dice
All Down The Line
Before They Make Me Run
Miss You
Start Me Up

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