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THE SPECIALS – 29.03.2019, Köln E-Werk

30 März 2019 No Comment
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THE SPECIALS, eine der wichtigsten und einflussreichsten Skabands Englands ist zurück auf der Bühne. In diesem Falle der des schon seit Wochen ausverkauften Kölner E-Werks. Die SPECIALS waren immer eine Protestband, die gegen soziale Missstände und Rassismus eintrat. 1977 gegründet veröffentlichten sie im Jahre 1979, dem Jahr in dem Maggy Thatcher zur Premierministerin gewählt wurde, ihr erstes Album „THE SPECIALS“ auf dem selbstgegründeten Label 2 Tone Records. Ein Werk, das Musikgeschichte schreiben sollte. Nach der langsam abflauenden Punkwelle, schafften es Bands wie The Specials mit einem offensichtlich massentauglicheren Sound ihre sozialkritische Haltung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.Ihre Musik übt bis heute Einfluss auf soziale Bewegungen in der ganzen Welt aus.

Nun, 40 Jahre später, stehen sie also mit neuem Album im Gepäck und unermüdlichem Kampfgeist da. Schon das Bühnenbild, bestehend aus selbstgemalten (Protest-)Schildern, stellt eine Demonstrationsszene nach. In Zeiten von Donald Trump, Brexit und einem voranschreitenden Rechtsruck in der ganzen Welt, sind die Songs der Specials mindestens genauso aktuell wie sie damals waren. Und sie bleiben ihrer Linie auf dem neuen Album treu. Aber zurück zum Konzert. Eine Sirene Als Konzertbeginn funktioniert ja bekanntlich immer (insbesondere zu dem Opener „Man From C&A), wobei das Publikum eh schon gespannt genug war. Egal, kam gut. Das Konzert mit drei Hits zu beginnen macht auch Sinn. Besonders hervorzuheben ist hier der zweite Song „Rat Race“, mit dem sie das Publikum vom ersten Ton an abholen.

Mit „Vote For Me“ spielen sie die erste Nummer ihres neuen Albums „Encore“, auf dem auch erstmals seit der ersten Auflösung 1981 wieder der Sänger Terry Hall am Mikrofon steht. THE SPECIALS beweisen hier einmal mehr, dass sie es verstehen, ihre politische Haltung in Form von intelligenten Texten zu untermauern. Außerdem sind sie auch eine grandiose Reggae- Band, die ausgiebig und ausgefeilt mit Dub-Effekten arbeitet und großartige Klangteppiche legen kann. Im Folgenden spielen THE SPECIALS ein gut ausgewogenes Set aus legendären Klassikern und neuem Material. Insgesamt entsteht bei mir, der natürlich absolut subjektive Eindruck, dass die neuen Songs mit ein wenig mehr Enthusiasmus und Feuer gespielt werden. Die Mehrheit des Publikums scheint es anders zu sehen und reagiert insbesondere auf Hits wie „A Message to You, Rudy“ (im original von Dandy Livingstone), „Nite Klub“, „Gangsters“, „Too Much Too Young“ und „Stereotype“ mit frenetischem Applaus. In letzterem huldigt Gitarrist und zweiter Sänger Lynval Golding dem befreundeten Sänger Ranking Roger (The Beat), der am vergangenen Dienstag einer schweren, langjährigen Krebserkrankung erlag. Terry Hall und Lynval Golding ergänzen sich stimmlich perfekt und demonstrieren zweistimmigen Gesang in Vollendung, dabei fällt auf, dass Terry Halls Stimme kaum gealtert zu sein scheint (der Mann ist immerhin gerade 60 geworden).

Einer der Höhepunkte des Konzerts ist sicherlich der Gastauftritt von Saffiyah Khan einer jungen linken Aktivistin, die durch ihre Reaktion auf ein Mitglied der EDL (English Defense League) bei einer Demonstration in Birmingham im Jahre 2017 bekannt wurde. Sie entwaffnete ihn schlicht in dem sie ihn belächelte.
Der gemeinsame Song „10 Commandments“ ist eine feministische Antwort auf den gleichnamigen Klassiker des jamaikanischen Sängers Prince Buster, der jedoch inhaltlich nicht unterschiedlicher sein könnte. Musikalisch bewegen sich Band und Sängerin hier in der Tradition der Dub-Poetry, für die die Beschreibung „Deep“ nicht treffender sein könnte.

Das letzte Drittel des Konzerts besteht ausschließlich aus Hits der ersten beiden Alben und scheint das lauthals mitsingende Publikum glücklich zu machen. Alles in allem ein mehr als solides Konzert dieser Urgesteine des 2 Tone Ska. Einzig die technischen Probleme bei dem Song „Blam Blam Fever“ einem Cover der Valentines sind sehr schade, da der singende Schlagzeuger mit seinen essenziellen Parts erst am Ende des Songs zu hören ist. Sowas kann aber nun mal auch den ganz großen passieren, was auch irgendwie beruhigend für jeden Hobbymusiker ist.

Mit den Zugaben „Ghost Town“ und Traditionell „You’re Wondering Now“ (einem Cover der Skatalites) schließen THE SPECIALS ab. Insgesamt liefern sie ein fantastisches 1,5 stündiges Konzert ab und lassen vermutlich 2000 Fans lächelnd einschlafen an diesem milden Freitagabend des 29. März 2019.
Dringende Empfehlung von meiner Seite ist das neue Album „Encore“, dass nicht unbedingt vorhersehbar ist und mich mehr begeistert, als ich erwartet hätte. Ich höre hier Einflüsse von Afrofunk, Jazz, Spoken Words, Dub Poetry, the Doors und Kurt Weill und am Ende einfach unglaublich gute Musik!

Hier sind unsere Fotos:

 

https://www.thespecials.com/

https://www.facebook.com/thespecials/

 

Text: Kevin Pett
Fotos: Andreas Heller

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