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THRICE & FJØRT – 24.08.2016, Köln, Live Music Hall

24 August 2016 No Comment
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23.08.2016_Thrice_Live Music Hall_Alexandra März (18)

THRICE aus Kalifornien sind zurück und machen gerade weltweit Fans und Kritiker glücklich. Mit ihrem neuesten Werk „To Be Everywhere Is To Be Nowhere“, das im Mai erschien, haben sie erneut bewiesen, dass sie viel zu sagen haben. Diese Band macht keine schlechten Alben. Roher und wütender sind die Songs geworden, nachdem man sich auf den vergangenen Platten eher introvertiert gezeigt hatte. Unsere Review könnt ihr hier nachlesen! Erfreulicherweise haben sich Dustin Kensrue, Teppei Teranishi, Riley und Eddie Breckenridge auch wieder in einen Tourbus getraut und in den letzten Monaten eifrig die USA bereist. Für ein exklusives Deutschland-Konzert sollte es nach Köln gehen, wo die Band in der ausverkauften Live Music Hall ein schweißtreibendes Event zum Besten gab.

Welch Freude in den sozialen Netzwerken zu vernehmen war, als das Quartett bekannt gab, seine neuesten Lieder auch live zu präsentieren. Viele Fans hatten sehnlichst gewartet! „Am 23. August spielen THRICE in Köln“ – diese Nachricht schlug ein. Das ursprünglich gebuchte Gloria war schnell ausverkauft, weswegen nun die größere Live Music Hall Pilgerstätte vieler, vieler THRICE-Anhänger sein sollte. Die Halle in Köln-Ehrenfeld ist leider bekannt für stickige Enge und einen unpraktisch langgezogenen Bau, weswegen das Gedränge bis an die hinterste Wand groß war. Innerhalb weniger Minuten entwickelt sich die ehemalige Maschinenfabrik zu einem olfaktorischen Erlebnis Marke „Turnhalle“, wenn sich hunderte Menschen in dem geschlossenen Raum tummeln. Der enthusiastische THRICE-Anhänger nahm es in Kauf. Die Band ist seit ihrer Reunion noch einen Sockel höher Richtung Legendenstatus geklettert.

Doch bevor THRICE die Bühne besteigen sollten, eröffneten die deutschen Post-Hardcore-Überflieger FJØRT den Abend. Die Aachener haben sich seit ihrer Gründung 2012 europaweit einen Namen gemacht. Bundesweit hört man viel Lob für das energetische Trio und ihr zweites Album „Kontakt“ erschien vor kurzem über das renommierte Indie-Label Grand Hotel van Cleef. In Sachen Wucht und Energie macht diesen Jungspunden kaum jemand etwas vor. THRICE-Drummer Riley Breckenridge schaute neugierig auf die drei wütenden Musiker, die mit ernster Miene ihre Texte in Richtung Zuschauerraum spuckten. Kleiner Höhepunkt des Abends war die Ansage von Bassist David Frings, der den Song „Paroli“ allen Neo-Faschisten und Unmenschen dieser dumpfen Tage widmete. Verpackt waren die mahnenden Worte mit einer Erinnerung und Aufforderung zu mehr Mitmenschlichkeit. FJØRT haben ihre Wurzeln in den autonomen Zentren dieses Landes. Man kann ihnen viel vorwerfen, doch hat sich diese Band ihren Status mühsam erspielt, gleichzeitig ihre politische Verantwortung nicht abgelegt. Das junge Publikum stimmte der kleinen Ansprache in diesem kommerziellen Rahmen mit lautem Applaus zu.

FJØRT und die kalifornischen Post-Emo-Rocker THRICE sollten an diesem Abend viele Mittzwanziger vereinen. Die Musik von THRICE hat nicht wenige   Zuschauer durch Jugend und das frühe Erwachsenenalter begleitet. In den Gesprächen vor der Halle wurde in allen Ecken Respekt bekundet und auf frühe Alben wie „The Artist in the Ambulance“ oder „Vheissu“ verwiesen. Nicht bei vielen Bands (THRICE spielen seit Jugendtagen in Urbesetzung) kann man im Karriereverlauf eine stimmige Entwicklung von Album zu Album beobachten. THRICE sind so eine Gruppe. Die Herren sind mit den Jahren erwachsen geworden. Der Sound ist gereift und mittlerweile sind THRICE zu Recht eine Instanz. Geliebt und unnachahmbar.

Und so sollten THRICE dann auch ein abwechslungsreiches und energetisches Set präsentieren. Von Hits wie „Silhouette“ und „All The World Is Mad“ bis hin zu den neuen Singles „Blood On The Sand“ und „Black Honey“, spielte die Band ein Set für Liebhaber. Mit viel Spielfreude und positiver Ernsthaftigkeit ging das Quartett an ihre Musik heran. Zwei Tage zuvor hatten THRICE einen Gig beim Highfield-Festival in der Nähe von Leipzig. Da musste die Band aber am Sonntag-Nachmittag ein kurzes Set vor wenigen Zuschauern abreißen. Sänger Dustin Kensrue kämpfte sichtlich und hörbar mit einer Erkältung. Drummer Riley Breckenridge verspielte sich hier und da. Festival-Slots können undankbar sein. Umso schöner, dass THRICE an diesem Abend ganz im Zentrum der wohlverdienten Aufmerksamkeit stand.

Und die Energie des Publikums übertrug sich auf die Band. Keine Spur von Schwäche, von Beginn an war die Band in Bewegung und hatte Spaß an der Interaktion miteinander. Ihr einziges Deutschland-Konzert spielten THRICE fulminant und bescherrten allen Beteiligten einen schwitzigen und energiereichen Abend. THRICE sind zurück und haben Power! THRICE müssen niemanden mehr etwas beweisen. Sie sind zurück, weil sie Bock drauf haben. Wir dürfen hoffen, dass THRICE uns nicht noch länger auf weitere Konzerte warten lassen werden.

FJØRT (Fotos: Alexandra März)

 

 

THRICE (Fotos: Alexandra März)

 

 

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