Home » Tonträger

THRICE – To Be Everywhere Is to Be Nowhere

24 Mai 2016 No Comment

thrice_cover_smallTHRICE müssen niemanden mehr etwas beweisen. Sie sind zurück, weil sie Bock drauf haben und wütend sind. So klingt jedenfalls ihre Musik auf „To Be Everywhere Is to Be Nowhere“. Das weltpolitische Klima stinkt mehr denn je und humanitär ist einiges im Argen. In den USA und sonstwo sowieso. Fünf Jahre nach der letzten Platte „Major/Minor“ hauen THRICE nun also doch ein weiteres Werk heraus. Album Nummer neun ist wie seine Vorgänger – anders. Und echt gut!

Roh und edel zugleich musiziert die kalifornische Überband. Nicht bei vielen Bands (THRICE spielen sogar seit Jugendtagen in Urbesetzung) kann man im Karriereverlauf eine stimmige Entwicklung von Album zu Album beobachten. THRICE sind so eine Gruppe. Die Herren sind mit den Jahren erwachsen geworden. Der Sound ist gereift und mittlerweile sind THRICE zu Recht eine Instanz. Geliebt und unnachahmbar.

Erster Höreindruck: Das Gespür für kleine Melodien, die sich für die Ewigkeit einbrennen, hat das Quartett zum Glück nicht verloren! Immer grooviger, analoger, handgemachter und voller Tiefe wurden THRICE von Album zu Album. Wo in den Anfangstagen noch die Jugendlichkeit des schnellen High-Gain-Metalcores herrschte, orientiert sich die Band nun eher Richtung Springsteen, Dylan und Petty. Alternative-Blues-Rock mit erdigem Ethos statt Vans Warped-Tour-Screamo-Aufregung. Dabei weder lahm oder kraftlos noch seicht.

THRICE waren und sind zunehmend Prediger. Es sind einfach Parolen die Sänger Dustin Kensrue da schreit: „Wake up!“ oder „I´m sick of it!“. Nicht weniger wahr durch ihre Einfachheit. Sehr grüblerisch und ernst sind die Texte noch immer. Als bekenndener Christ textet Kensrue verständlicherweise nicht Lieder ums Saufen und Feiern. Dafür berührt diese Band viele Zuhörer in der Hardcore/Punk-Szene, die sonst eher den Antichristen abfeiern. THRICE müssen niemanden etwas beweisen.
In „Death From Above“ singt die Band aus Sicht eines Drohnen-Piloten, der auf Befehl Menschen am Rechner bombardiert. Interessanter Twist und gute Aussagen über eine perverse Form der Kriegsführung: „But I am never sure who I am killing. How many innocents were in the building? I drop death out of the… No longer human beings, no longer people. Just targets on a screen, none of it’s real. I drop death out of the sky. Tell me why“.
Die Vorabauskoppelung „Blood On The Sand“ schlägt in die selbe Kerbe. Dustin Kensrue beklagt das Morden und Rassenhass: „We panic at the sight of different colored skin. And we’ve got a plan to justify each mess we’re in.“ Gerade mit Blick auf Spalter, Lügner und Demagogen wie Donald Trump, die Hass säen, um Profit zu ernten. Amerika hat die alten Geister noch nicht besiegt und Bands wie THRICE sind mutmachende Beweise dafür, dass in den Vereinigten Staaten auch Menschen mit gesundem Verstand leben.

Weniger ist bekanntlich mehr und THRICE können ausgeklügelte Nummer ganz eingängig und simpel klingen lassen. Drummer Riley Breckenridge spielt auf „To Be Everywhere Is to Be Nowhere“ absolut tight ein ziemlich amtliches Rock-Drumming, das keinen Schlag zu viel aufweist und doch brilliant ist. Man hat echte Freude an der Energie des Schlagzeugers! „The Window“ beginnt mit einem Rhythmus aus Shaker und großer Trommel. Dann reiht sich entgegen des wabbernden Grooves ein straighter beat und es entfaltet sich ein Spitzensong, der quasi zum Kopfnicken zwingt. der nachfolgende Track nimmt Abstand von der dreckigen Wildheit und kommt radiotauglich daher. Ein luftiges Intro, ein Pre-Chorus mit viel Delay und ein sanfter Gesang. „Would you stay with me?“ schreit-singt Kensrue durch den Refrain. Pathos, viel gehörter Satz – aber bei THRICE klingt es warm und wahr. Man sieht sich schon live in der Menge mitschreien. THRICE machen keinen auf dicke Hose, posen nicht, labbern keinen Scheiß und sind keine Rockstars. Sie machen Musik und drücken sich aus. Dies wird immer wieder deutlich, wenn man die elf Songs auf „To Be Everywhere Is to Be Nowhere“ mitfühlt.

„Salt And Shadow“ ist der ruhige Abschluss des heißersehnten Comeback-Albums. Dass sie auch ganz still sein können, haben THRICE bereits auf ihren beiden „Alchemy Index“-Konzeptalben bewiesen. Ambientbeat, hoher Gesang und sanftes Klavier gleiten in dem hypnotischen Lied ineinander. Dustin Kensrue hat, wenn er nicht schreit, sehr viel Zerbrechlichkeit und Schwäche in seiner Stimme, die sich wohlig um das Ohr legt.

Fazit? Diese Band macht keine schlechten Platten und reift wie ein guter Wein. THRICE haben ihr Comeback mit „To Be Everywhere Is to Be Nowhere“ nicht versaut. Gute Songs, voller Abwechslung und Emotion, sprechen direkt beim ersten Hördurchgang an. Willkommen zurück!

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 27. Mai 2016
Label: BMG / Vagrant (ADA/Warner)
Format: LP / CD / Digital

Mehr Infos:
thrice.net
vagrant.com

 

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.