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To Love Somebody – The Songs of the BEE GEES 1966 – 1970

14 Oktober 2017 No Comment
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Bee GeesWer den Namen BEE GEES hört, denkt vermutlich an schrillen Falsett Gesang, weiße Outfits und schnittige Disco-Songs von tanzbar bis schmusig. Ende der 70er waren die drei Brüder auf ihrem (mindestens zweiten) kommerziellen Höhepunkt, der sich auf lange Sicht in den Köpfen der Menschen eingebrannt hat. Doch auch zehn Jahre zuvor – in der zweiten Hälfte der 60er – gelang dem Trio (damals zeitweise sogar als Quartett und Quintett unterwegs) ein Hit nach dem anderen und eine ganze Reihe an wunderbaren Alben, die vielleicht aufgrund der späteren Erfolge nie so ganz die Würdigung bekamen, die sie verdient gehabt hätten. Das tolle Reissue Label ACE Records aus England hat die musikalischen Verdienste der Band in den Swinging ’60s allerdings nicht vergessen und würdigt die drei begnadeten Songschreiber nun mit einer Zusammenstellung auf der 24 Interpretationen von BEE GEES Songs geschrieben zwischen 1966 und 1970 zu finden sind.

Eine solche Zusammenstellung ist auch deswegen besonders reizvoll, weil die Brüder Meister darin waren sich Stilistiken anzueignen und Songs in allen Genres zu schreiben, die ihnen über den Weg liefen. Das schöne dabei – meistens gelang es ihnen dabei ihren eigenen Stil nicht zu verlieren, sondern vielmehr Vorlagen geschickt aufzugreifen und sie mit ihren ganz eigenen Ideen zu etwas Neuem zu verbinden. So ist „To Love Somebody – The Songs of the BEE GEES 1966 – 1970“ ein faszinierendes Kaleidoskop geworden, das in den verschiedensten Farben schillert, ohne dabei beliebig zu sein. Mit SHARON TANDYs Version von „World“ geht es zwar nicht ganz optimal los und AL GREEN kann „How Can You Mend A Broken Heart“ auch nur wenig neue Aspekte abgewinnen, aber spätestens mit „To Love Somebody“ von JAMES CARR nimmt die ganze Sache Fahrt auf. Eigentlich hätte OTIS REDDING den Song singen sollen, aber CARR gibt hier eine kraftvolle Alternative zum Blue Eyed Soul des BEE GEES Originals.

Beim Soul soll es auch erst mal bleiben: PERCY SLEDGE bietet eine tolle Version von „I’ve Gotta Get A Message To You“, während NINA SIMONE eine herrlich unterkühlte Deutung von „I Can’t See Nobody“ gelingt. LULU – die mit MAURICE GIBB verheiratet war – lenkt „Bury Me Down By The River“ in Richtung Gospel, während die MARBLES um den späteren RAINBOW-Sänger Graham Bonnet aus „Only One Woman“ ein spektakuläres Gesangsfeuerwerk machen. SIDEWALK SOCIETY und GOON MOON zeigen mit ihren Coverversionen, dass es auch in den letzten 10 Jahren Bands gab, die sich diesen tollen Kompositionen annehmen und liefern dabei kraftvolle Alternativen zu den Originalen.

LOS BRAVOS aus Spanien zeigen im Anschluss mit „Like Nobody Else“, dass die BEE GEES auch knalligen R’n’B kompinieren konnten. Die große SANDY SHAW geht mit „Sun In My Eyes“ in die entgegengesetzte Richtung und schafft eine weibliche Alternative zur ebenfalls wunderschönen Originalversion. Auch ein paar australische Acts bekamen frühe GIBB Kompositionen geschenkt: APRIL BYRON und JON haben mit „He’s A Thief“ und „Town Of Tuxley Toymaker Part1“ von 1966 die beiden ältesten Aufnahme auf dem Sampler platziert – der Sound ist hier etwas blecherner, aber nicht weniger reizvoll, da man dort auf die Anfänge der Band schauen kann. Schon als Teenager gelang es den Brüdern nämlich großartige Songs zu schreiben. Wie gut man die Reggae Versionen von „I Started A Joke“ und „Morning Of My Life“ nun findet, hängt von der Einstellung zu diesem Genre ab und mit „Massachusetts“ aus TOMMY ROEs Spätwerk (bekannt für „Sheila“ und „Dizzy“) plätschert die CD auch eher matt aus. JOSE FELICIANOs Instrumentalversion von „First Of May“ ist dann auch kein ganz großer Wurf mehr. Aber es soll hier nicht zu viel gemeckert werden. „To Love Somebody – The Songs Of The BEE GEES“ ist eine wirklich tolle Zusammenstellung mit vielen raren Stücken, die für alle BEE GEES Fans und Liebhaber von melodieseeligem 60s Pop ein Muss sein sollte.

Bewertung: 5/6
Label: ACE Records
VÖ: 14.04.2017

Trackliste:

  • World – Sharon Tandy
  • How Can You Mend A Broken Heart? – Al Green
  • To love somebody – James Carr
  • I’ve gotta get a message to you – Percy Sledge
  • I Can’t See Nobody – Nina Simon
  • Words – Bettye Swann
  • Bury me down by the river – Lulu
  • Give A Hand – Take A Hand – The Staple Singers
  • Only one woman – Marbles
  • New York mining desaster – Velvett Fogg
  • Red chair, fade away – Sidewalk Society
  • Every Christian Lion Hearted Man Will Show You – Goon Moon
  • Like Nobody Else – Los Bravos
  • Sun In My Eyes – Sandie Shaw
  • And The Sun Will Shine – Paul Jones
  • Spicks and specks – Status Quo
  • He’s a thief – April Byron
  • Exit stage right – Ronnie Burns
  • Town of Tuxley toymaker [Pt. 1] – Jon
  • Maypole mews – David Garrick
  • I Started A Joke – Pat Kelly
  • Morning of my life – John Holt
  • Massachusetts – Tommy Roe
  • First of May – José Feliciano
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