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TRICOR – Pools Of Midnight

21 Dezember 2020 No Comment
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Deutschland geht im Herbst 2020 in den zweiten Lockdown und wer keine Lust hat sinnigen Tipps a la „Lern eine weitere Fremdsprache“, „Die schönsten Brettspiele mit maximal zwei Haushalten“ oder „Zoom-Cocktails gehen immer, sogar praktisch bei Fernbeziehung“ nachzugehen, gibt sich einfach gepflegt seiner düsteren Stimmung hin.

Den passenden Soundtrack dazu haben Robert, Paul und Chris von Tricor mit ihrer zweiten EP „Pools Of Midnight“ kreiert. Mit einer angenehmen Mischung aus Shoegaze, Cold-Wave und Post-Punk punkten die Marburger auf ganzer Linie.

Gefragt „Wenn man keine Ahnung von eurer Musik hat, welchen Song sollte man sich zuerst anhören?“ antwortet Tricor-Sänger Robert: „Natürlich „Once Again“! Oder auch „Cigarettes“. Ich glaube, das sind die zwei wichtigsten Tracks um die Idee der Band zu verstehen.“

Man kann sich sehr gut vorstellen, dass die schwer vernebelten Wave-Pop Klänge beim nächsten WGT-Festival wunderbar ankommen würden.Songs wie „Once Again“ oder „Dead Plant“ eignen sich hervorragend für jede Dark Wave-Party – aber auch, durch ihre pulsierende Erotik, als Dancefloor-Beschallung schwarz-gestylter „Eyes Wide Shut“- Events. Auch wenn Robert der Meinung ist, der perfekte Zeitpunkt und Ort um Tricor zu hören sei „Wenn man nachts irgendwann betrunken und allein heim geht.“

Allerdings sollte noch erwähnt werden, dass der Alan-Vega-Erbe Jared Artaud von den famosen „The Vacant Lots“ die zweite Tricor-EP produziert und gemischt hat. Den Einfluss hört man auch definitiv raus.

Mr. Artaud unterstützt damit kongenial das, was Tricor mit Ihrem Sound auslösen wollen: „Eine schöne Vorstellung wäre, dass Menschen sich ihre eigenen imaginären Bilder malen können. Zumindest ist das die Intention mit den Texten. Ich bestehe darauf, dass ein großer Interpretationsspielraum da ist. Ich hoffe Menschen sind zu der Musik glücklich, melancholisch, wütend oder traurig. Oder alles zusammen.“

Zur Weiterentwicklung und zur Idee ihrer zweiten EP formuliert Tricor-Stimme Robert: „Selbstlimitierung. Sich seiner Situation und der Musik die man im Kopf hat bewusst zu sein. Zu erkennen welches Potential die Songs haben und gezielt an diesem Konzept zu arbeiten. Das ist auf jeden Fall eine Weiterentwicklung zu „No Home“ und „The Room“. Natürlich auch als Ventil für dieses verflixte Jahr. Aufgenommen im ersten Lockdown und pünktlich zum zweiten Lockdown zu veröffentlichen (das war allerdings Zufall…).“

Nun aber flugs die Augen mit Kajal schwarz umrandet, die dunklen Klamotten aus dem Schrank gefischt und, natürlich unter Berücksichtigung der aktuellen nächtlichen Ausgangssperren, ab in die Nacht! Tricor bieten, passend zur anhaltenden coronabedingten Selbstisolation, die passende Untermalung der Sehnsucht nach Sensationen, nach Obsessionen – nach dem puren Leben. 

Bewertung: 6 von 6
VÖ: 06.12.2020
Label: None
Insta/Facebook: @TricorOFFICIAL
Bezugsquelle: tricor.bandcamp.com/

Tracklist:

  1. Black Dog
  2. Morning After
  3. Dead Plants
  4. Once Again

Autorin: Stefanie Garbs-Bähr

Sascha Kilian
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