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TURBOSTAAT – 19.12.2008, Berlin, SO36

22 Dezember 2008 No Comment

Turbostaat, 2008, Berlin, SO36

Festzuhalten ist: Die Zeiten, in denen man TURBOSTAAT als brandheißen Geheimtipp weitergeben und zusammen mit hundert Anderen in kleinen Clubs genießen konnte, sind endgültig vorbei. Die Flensburger sind 2008 in die erste Liga aufgestiegen und haben gegen Ende ihrer Tour im SO36 zu Berlin ihren nach eigenen Angaben bis dato größten Gig gespielt. Natürlich ausverkauft, natürlich großartig.

Letzteres war nicht von Beginn an abzusehen. Dass SO36 war bei der überzeugenden Vorband TRIP FONTAINE (instrumental großartig, gesanglich durchschnittlich) schon proppevoll und dennoch zwängten sich immer mehr Menschen durch den Eingang. Wie viele es am Ende waren, wissen wohl nur die Veranstalter. An die 1000 dürften es gewesen sein. Dem Kulturpessimisten / Punkpessimisten schwant bei solchen Zahlen Übelstes. Sind TURBOSTAAT noch Punk und Indie oder schon Deutschrock? Ein schmaler Grad ist das und was bei einem Fehltritt passieren kann, haben andere Bands wie MADSEN vorgemacht. Deren Konzerte waren irgendwann von kreischenden Teenies verpestet und wurden zusammen mit den Bands zu einem „geht gar nicht“.

Jetzt also auch TURBOSTAAT? Nein! Zum einen haben diese mehr Punk und Ecken als die genannten Kapellen zusammen, zum anderen bemühen sich TURBOSTAAT aufrichtig darum, ihre Authentizität zu behalten. Tour mit den BEATSTEAKS? Dann werden parallel eben Linke Zentren bespielt. Zu viel verkaufte Band-Shirts? Dann wird auf der Bandpage mal kurz darum gebeten, diese nicht bei TURBOSTAAT -Konzerten zu tragen. Dass beruhigt den Punkpessimisten, ein paar Bier tun ihren Rest dazu. Also rein ins Getümmel.

Und da werden letzte Zweifel hinfort gefegt. TURBOSTAAT sind TURBOSTAAT. Will heißen: Echt, sympathisch, schweißtreibend. Kurzum: Punk. Fast zwei Stunden lang jagen die Nordlichter durch ihr Set und so groß die Halle auch ist, dass Gefälle zwischen Band und Publikum bleibt gering, löst sich zeitweise sogar auf. TURBOSTAAT begeistern und lassen sich begeistern. Vor allem die Songs vom aktuellen Album „Vormann Leiss“ (unter anderem „Haubentaucherwelpen“, „Der Frosch hat’s versaut“, „Harm Rochel“, „Hau ab die Schildkröte“) werden so begeistert mitgesungen, dass Sänger Jan Windmeier das Berliner Publikum kurzerhand zur besten Monitorbox der Welt kürt.

Nach zwei Zugaben ist dann alles viel zu schnell vorbei, Schweiß tropft von glücklichen Gesichtern und der Decke und festzuhalten ist auch: TURBOSTAAT bleiben auf der guten Seite.

Übrigens: Im SO36 wurde fleißig gefilmt. Aus dem Material soll zusammen mit Aufnahmen vom Gig in Leipzig eine Live-DVD entstehen, die dem kommenden Album beiliegt. Eine schöne Erinnerung an einen großen Abend wäre das.

Turbostaat, 2008, Berlin, SO36

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