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TURBOSTAAT – Stadt der Angst

2 April 2013 No Comment

Turbostaat - Stadt der AngstVieles sollte anders werden, wurde im Vorhinein gesagt. Jetzt kann man aufatmen. TURBOSTAAT sind weiterhin TURBOSTAAT und ihr neues Album ist nur halb so überraschend wie angekündigt.

Wie die Zeit vergeht. Seit dem letzten TURBOSTAAT-Album „Das Island-Mannöver“ sind nun auch schon wieder drei Jahre vergangen (hier geht es zur Rezension). Vermisst hat man die Band nicht, konnte man gar nicht, denn das norddeutsche Punkrockurgestein verbringt gefühlt mehr Zeit auf der Straße und auf Konzerten als zu Hause und im Proberaum.

Letzteren haben sie dann in letzter Zeit wohl wieder öfters aufgesucht und so steht nun Album Nummer fünf vor der Tür. Die Platte heißt „Stadt der Angst“ und tritt ein schweres Erbe an. Nicht nur, weil der Vorgänger kommerziell ziemlich erfolgreich war und einige waschechte Hits an Bord hatte, vor allem hat dieser sperrige und düstere Koloss von Album über die Jahre nichts an seiner Größe verloren und ist sogar immer weiter gewachsen.

Aber das ist Theorie und spielt auch keine Rolle. TURBOSTAAT machen wie nicht anders zu erwarten das einzig Richtige: einfach weiter. „Stadt der Angst“ ist keine Neuerfindung und auch nicht der große Wurf, sondern die nächste hervorragende Deutschpunkplatte dieser hervorragenden Deutschpunkband.

Mit „Eine Stadt gibt auf“, das mit großartiger Parole aufwartet, und „Phobos grunt“ startet die Platte solide, der erste richtige Höhepunkt ist das fast schon poppige „Tut es doch weh“, auch wenn TURBOSTAAT-Kenner bei diesem Song von einem erstaunlichen Eigenzitat irritiert werden. Das folgende „Psychoreal“ ist eigentlich nur TURBOSTAAT-Durchschnitt, aber eben auch der Song, der am ersten hartnäckig hängen bleibt.

„Sohnemann Heinz“ wartet dann wieder mit einer faustdicken Überraschung auf, denn textlich geht es dort untypisch real, aktuell und fast schon politisch zu, auch wenn sich TURBOSTAAT typischerweise selbst einem Thema wie dem Afghanistan-Krieg mit dem Bauch und dem Herzen und nicht mit dem Kopf nähern. Sie sind und bleiben eben Romantiker mit einem Hang zu Sturm und Drang und das ist auch auf „Stadt der Angst“ nicht anders.

„Fresendelf“ ist ein erstaunlich ruhiger und schöner Song, der unaufgeregt über fast sechs Minuten seine Dynamik entfaltet. Kontrastiert wird er vom folgenden „Alles bleibt konfus“, das erst an den „Fünfwürstchengriff“ erinnert und dann routiniert gewöhnlich wird und dabei großes Potenzial zu einem heimlichen Lieblingshit aufblitzen lässt. Gleiches gilt für „Snervt“. Kein wirklich außergewöhnlicher Song, trotzdem wird man beim nächsten Konzert Das ist scheiße, so scheiße mitgrölen und sich ziemlich gut dabei fühlen.

Mit „Pestperle“, „In Dunkelhaft“ und „Willenshalt“ füllen TURBOSTAAT die Platte dann mit gewohnt hochklassigem Material auf, wobei vor allem „In Dunkelhaft“ mit jedem Hören besser wird und in den kommenden Monaten noch steil Karriere machen könnte. „Sohnemann Zwei“ dann ist ein Rausschmeißer par excellence. „Das ist der Tisch, das ist der Wein. Drei Stühle herum, und einer bleibt leer…“ rezitiert Sänger Jan Windmeier in die ruhige Atmosphäre des Songs hinein, der sich dann immer weiter hochschaukelt und langsam Stein auf Stein baut, bevor alles zusammenkracht. Ein würdiges Ende ist das für eine Platte, die auf Anhieb überzeugt.

Mit „Stadt der Angst“ halten TURBOSTAAT ihr Niveau, den Vergleich zum Vorgänger muss das Album nicht scheuen. TURBOSTAAT sind darauf nicht mehr ganz so sperrig und kantig und lassen es öfters auch einmal etwas ruhiger angehen, aber ihre Markenzeichen bleiben bestehen. Auch 2013 hört man einem TURBOSTAAT-Song sofort an, dass er ein TURBOSTAAT-Song ist. Alles gut also.

Label: Clouds Hill
Vö: 5. April 2013
Format: LP/CD/digital
Infos: turbostaat.de

Trackliste:
01. Eine Stadt gibt auf
02. Phobos grunt
03. Tut es doch weh
04. Psychoreal
05. Sohnemann Heinz
06. Fresendelf
07. Alles bleibt konfus
08. Snervt
09. Pestperle
10. In Dunkelhaft
11. Willenshalt
12. Sohnemann zwei

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