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UNIT 4+2 – Concrete & Clay the complete recordings

4 September 2016 No Comment

Unit4+2Wenn sich noch jemand an das britische 60s Sextett UNIT 4+2 erinnert, dann vermutlich wegen ihres Hits „Concrete & Clay“. Dieser elegante mit einem leichten brasilianischen Rhythmus unterfütterte Song schaffte es im UK auf die Nummer 1, in den USA immerhin bis auf die 28 und zog tonnenweise Coverversionen nach sich. Da ihnen kein weitere Hit dieser Größenordnung gelingen wollte, bescherte ihnen diese selbstverfasste Perle neben einer anhaltenden Daseinsberechtigung aber auch den Stempel des One Hit Wonders.

Am nächsten kamen sie dem Erfolg noch mit der Nachfolgesingle „(You’ve) Never Been In Love Before“, die ebenfalls 1965 in Großbritannien bis auf Platz 14 kletterte. Doch die als Gesangsquartett gegründete Band, zu der später noch zwei weitere Musiker stießen – daher auch der umständliche Name – hatte tatsächlich noch einiges mehr zu bieten als man auf den ersten Blick vermuten würde. Mit Lead Sänger Tommy Moeller hatten sie einen exzellenten Songschreiber, der im Gespann mit Brian Parker – am Anfang auch aktives Mitglied, später nur noch Co-Songwriter – die meisten Singles verfasste. So musste die Truppe nicht wie so viele andere 60s Bands für jede Single erst mal auf die Jagd nach noch frischen Fremdkompositionen gehen.

Der Band gelang von den folkig angehauchten Beat Anfängen 1964 – die Debüt-Single „Green Fields“ kommt noch mit Banjo daher – bis zur Auflösung 1969 eine ganze Reihe toller Singles. Hier und da wurde zwar etwas zu eifrig versucht die „Concrete & Clay“ Formel zu wiederholen (siehe das trotzdem feine „Hark“) und als dann der Hit schon etwas zu lange zurück lag, gab es auch den ein oder anderen verzweifelten Versuch mit offensichtlichem Kommerz-Material noch mal Beachtung zu finden (das selbst für 60s Verhältnisse lyrisch extrem platte „Too Fast, Too Slow“). Herrlich auch das Cover Artwork der ansonsten kompetenten 68er Single „You Ain’t Going Nowhere“, wo alle verfügbaren Referenzen untergebracht wurden – Songwriter Bob Dylan und Produzent Manfred Mann, der sich auch im Gegensatz zur Band auch selbst mit Foto auf dem Cover befindet. Viel Vertrauen in das kommerzielle Potential hatte die Plattenfirma zu diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr.

Aber genug der Meckerei – der Großteil des hier vorhandenen Materials ist feinster 60s Pop. Auf der zweiten Single „Sorrow And Pain“ zeigt das Songwriting Gespannt Moeller/Parker bereits sein Händchen für leicht düsteres und doch eingängiges Material. „You’ve Got To Be Cruel To Be Kind“ hat vielleicht nicht den Killer-Chorus, der für einen größeren Hit nötig gewesen wäre, ist aber trotzdem eine feine Beat Ballade, die auch einer Band wie den Righteous Brothers gut gestanden hätte – kommerziell wäre vielleicht die an die Beach Boys angelehnte B-Seite „I Won’t Let You Down“ eine bessere Wahl gewesen. „Baby Never Say Goodbye“ ritt noch einmal den „Concrete And Clay“-Rythmus und bescherte der Band 1966 ihren letzten Hit. Aber auch später veröffentlichte UNIT 4+2 noch ein paar schöne Singles, wie das verträumt psychedelisch „3.30“ von 1969 oder die knallige Mod-Pop B-Seite „Booby Trap“. Einer der schönsten Songs schaffte es lediglich auf eine EP – Parkers großartig melodiöses „Cross A Million Mountains“ klingt wie eine Mischung aus Folk-Traditional und Beatles. Fans von harmonischem Beat, Proto Folk-Rock und Zombies-haften düster-Pop sollten hier mal hinhören.

Bewertung: 4,5/6
Label:
RPM/Cherry Red
VÖ: 29.07.2016
cherryred.co.uk

Trackliste:
DISC ONE
01. THE GREEN FIELDS
02. SWING DOWN CHARIOT
03. SORROW AND PAIN
04. THE LONELY VALLEY
05. CONCRETE AND CLAY
06. WHEN I FALL IN LOVE
07. WOMAN FROM LIBERIA
08. WILD IS THE WIND
09. COTTON FIELDS
10. CROSS A MILLION MOUNTAINS
11. TO BE REDEEMED
12. (YOU’VE) NEVER BEEN IN LOVE LIKE THIS BEFORE
13. TELL SOMEBODY YOU KNOW
14. COULDN’T KEEP IT TO MYSELF
15. YOU’LL REMEMBER
16. 500 MILES
17. LA BAMBA
18. YOU’VE LOST THAT LOVIN’ FEELIN’
19. THE GIRL FROM NEW YORK CITY
20. HARK
21. STOP WASTING YOUR TIME
22. YOU’VE GOT TO BE CRUEL TO BE KIND
23. I WON’T LET YOU DOWN

DISC TWO
01. BABY NEVER SAY GOODBYE
02. RAINY DAY
03. FOR A MOMENT
04. FABLES
05. I WAS ONLY PLAYING GAMES
06. I’VE SEEN THE LIGHT
07. TOO FAST, TOO SLOW
08. BOOBY TRAP
09. BUTTERFLY
10. A PLACE TO GO
11. LOVING TAKES A LITTLE UNDERSTANDING (as Unit)
12. WOULD YOU BELIEVE WHAT I SAY? (as Unit)
13. YOU AIN’T GOING NOWHERE
14. SO YOU WANT TO BE A BLUES PLAYER
15. I WILL
16. 3.30
17. FACE IN MY HEAD
18. SOMETHING I CAN BELIEVE IN
19. (LIVING IN) THE WORLD OF BROKEN HEARTS
20. I CAN’T STOP

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