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UNKNOWN MORTAL ORCHESTRA – Multi-Love

26 Mai 2015 No Comment
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UNKNOWN MORTAL ORCHESTRA MULTI LOVE

Gerade erst seine erfolgreiche Ex-Band THE MINT CHICKS aufgegeben, wollte Ruban Nielson erst einmal nichts mehr hören vom Musikbusiness und den negativen Seiten der Popularität. Der Entschluss folgte, sich vorerst in das beengte Heimstudio einzuschließen und mit einfachsten Mitteln und in gewollter Einsamkeit weiter zu experimentieren. Erster Output dieses Vorhabens wurde schließlich der Track „Ffunny Ffrends“, den Nielson unter der Chiffre UNKNOWN MORTAL ORCHESTRA anonym auf Bandcamp veröffentlichte. Der internationalen Blogger-Szene zum Dank wurde die Aufnahme in kürzester Zeit quer durch das Internet gespült und avancierte 2010 zu einer der angesagtesten Entdeckungen im Psychedelia-Bereich.

Zwei Alben („Unknown Mortal Orchestra“ und „II“) und unzählige Tourneen durch verschiedenste Teile der Welt sind mittlerweile aus dieser anfänglichen Ambition, Musik ohne Erfolgsdruck im Alleingang zu produzieren, entsprungen. Seinen Platz in der Musiklandschaft hat Nielson dabei durch einen Mix aus Psychedelia, R&B und Garage-Einflüssen gefunden. Eingepackt wurde dieser in eine unverkennbar klingende Lo-Fi Produktion, welche eindeutige Kassettenrekorder-Assoziationen vermittelt.

Im Zuge seines neusten Werkes „Multi-Love“ schlägt UMO nun jedoch eine ganz andere Richtung ein. Nicht nur hat der Neuseeländer kürzlich wohl die Vorzüge von Synthies für sich entdeckt, sondern anscheinend auch die Ästhetik von modernem Hi-Fi Sound. Obgleich dieser Wandel äußerlich zunächst nach gezwungener Marktorientierung klingen mag, schafft es Nielson, sich die positiven Aspekte zeitgemäßerer Klänge wunderbar kreativ zu Nutze zu machen anstatt unmittelbar nach Sell-out zu riechen (siehe aktuell MUMFORD & SONS).

Musikalisch hat das UMO-Projekt auf „Multi-Love“ weitestgehend auf psychedelische Einflüsse verzichtet und schaut nun dafür mehr in Richtung Funk, Soul und Disco. Songs wie „Like Acid Rain“ oder „Can’t Keep Checking my Phone“ klingen als würden JAMES BROWN und CURTIS MAYFIELD zusammen an einem Tisch mit DAFT PUNK und MARK RONSON über die Zukunft der Musik diskutieren und der Titeltrack „Multi-Love“ könnte angesichts horrender Tanzbarkeit wohl schon bald weltweite Party-Playlists infizieren. Zu „Necessary Evil“ lässt sich schlicht ein Kommentar auf der UMO-Facebookpage zitieren: „Necessary Evil ist the fattest track of the summer.“

Die Neuorientierung ist Ruban Nielson also wohl gelungen. Bleibt dabei nur noch zu hoffen, dass die bisher treue Anhängerschaft genauso begeistert sein wird. Die euphorischen Reaktionen auf KEVIN PARKER‘s derzeitig ähnliche Ambitionen könnten jedoch schon mal ein guter Vorbote sein.

Bewertung: 5 von 6
Label: Jagjaguwar / Cargo Records
VÖ: 22.05.2015
Format: CD, LP, Download
unknownmortalorchestra.com
jagjaguwar.com

UNKNOWN MORTAL ORCHESTRA „Multi-Love“ Trackliste:

  1. Multi-Love
  2. Like Acid Rain
  3. Ur Life One Night
  4. Can’t Keep Checking My Phone
  5. Extreme Wealth and Casual Cruelty
  6. The World is Crowded
  7. Stage or Screen
  8. Necessary Evil
  9. Puzzles

UNKNOWN MORTAL ORCHESTRA live 2015:
14.09. Übel & Gefährlich, Hamburg
15.09. Gebäude 9, Köln
16.09. Zoom, Frankfurt
17.09. Lido, Berlin

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