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VAN MORRISON – Astral Weeks (2015 Reissue)

26 Oktober 2015 No Comment
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Van_Morrison_-_Astral_Weeks

Das zweite Soloalbum von VAN MORRISON, das im November 1968 erschienende „Astral Weeks“, ist zunächst kein Erfolg für den in die USA übergesiedelten (Nord-)Iren, der im Jahr davor mit seiner ersten Solo-LP und dem Single-Hit „Brown Eyed Girl“ eigentlich eine gute Ausgangsbasis hatte. Doch diverse Umstände, zum Teil von Seiten der Plattenfirma aus, teils durch Morrisons Visionen bedingt, sorgen für suboptimale Voraussetzungen, die dem kommerziellen Erfolg zunächst nicht zuträglich sind.

Und doch wird das Album mit der Zeit zu einem Klassiker, der regelmäßig in den oberen Rankings dieser Dekade seinen Platz findet. Es gibt durchaus Parallelen zu anderen LPs aus dem Jahr, die ihre wahre Bedeutung auch nicht in den Chartpositionen ihrer Zeit gespiegelt bekommen. Hier ist vor allem das Debüt von The Band „Music From The Big Pink“ zu nennen, das sich in ähnlicher Weise vom Zeitgeist löst und einen ganz eigenen Zugang zu dem großen Erbe, aus der sich Anglo-Amerikanische Popmusik Ende der 1960er Jahre bedient, findet.

Neben Morrison sind es zwei weitere Musiker, die auf dem Album herausstechen. Zum einen Richard Davis, der am Kontrabass wahnsinnige Läufe spielt, fast noch extremer durch soliert als es Who-Bassist John Entwistle gemacht hat. Und um die Gesangspassagen herum bläst John Payne auf der Querflöte Töne, wie ein balzender Vogel. Aber auch die akustische Gitarre von Jay Berliner soll nicht unerwähnt bleiben. Elektrische Gitarren sucht man auf der Platte vergebens, ebenso wie Orgeln oder soulige Bläser – lediglich ein Sopransaxophon kommt zum Einsatz, aber das klingt sowieso eher wie eine Klarinette als die „Kanne“, die man sonst oft mit dem Instrument Saxophon verbindet.

Zentral bleibt jedoch ohne Frage der Gesang von Van Morrison, der sich in jedem Track voll in das Zusammenspiel mit der Band fügt, aber trotzdem das bestimmende Element, das die Struktur des Songs bestimmt, bildet. Und auch wenn seine Songs nur auf dem Wechsel von den immer gleichen zwei oder drei Akkorden basieren, sind diese Songs großartig, weil die Interpretation und der Freiheitsgrad, den Morrison den Musikern lässt, diese in ungeahnte Höhen treiben.

Live wurden die Songs von „Astral Weeks“ nur sehr spärlich in die Sets seiner über Dekaden reichenden Karriere eingefügt. Es dauerte 40 Jahre bis Morrison auf die Idee kommt, das Album auch live umzusetzen. Er engagiert zwar auch wieder Jay Berliner, aber es gelingt ihm nicht die Magie der originalen Aufnahmen erneut zu beschwören, wie auf dem Livealbum von 2009 dokumentiert. Mit dem vorliegenden Reissue, dem ersten übrigens, das den originalen 8 Tracks noch weitere Bonustracks aus den Sessions hinzufügt, wird ein neues Kapitel der „Astral Weeks“-Saga geschrieben.

Anders als bei dem Reissue von dem Nachfolger „Moondance“ vor 2 Jahren, bei dem auch ein ganzes Boxset mit Outtakes veröffentlicht wurde, sind es hier lediglich 4 unveröffentlichte Versionen, die die Neuauflage aufwerten. „Beside You“ kommt in ersten Fassung, die aufgenommen wurde – eine vom Gesang her noch lebhaftere Version als das Original mit mehr akustischer Gitarre und Kontrabass im Vordergrund und etwas weniger Vibraphone im Mix. Take 4 von „Madame George“ holpert etwas beim Einstieg, hat ebenfalls wieder lebhaftere Leadvocals von Morrison und kommt ohne die Soldier-boy-Trommel und die orchestralen Parts daher, die wohl als Overdub zu der Originalversion hinzugefügt wurden. Im weiteren Verlauf bleibt diese Version auch sehr intensiv, wurde aber wohl ob des Einstiegs nicht für die LP verwendet. Zu den beiden alternativen Versionen gibt es noch die ungekürzten Fassungen von „Ballerina“ und „Slim Slow Slider“, auch dies sind beides feine Ergänzungen zu dem Originalalbum.

„Astral Weeks“ war bislang, genauso wie das parallel erscheinende „His Band And The Street Choir“, noch ein weißer Fleck in der bislang sehr unübersichtlichen und von merkwürdigen Brüchen gekennzeichneten Historie der Wiederveröffentlichungen von Van Morrison-Alben. Erfreulich ist, dass das Remastering äußerst behutsam erfolgt ist und die Dynamik der Musik nicht spürbar komprimiert wurde. So ist das Wiederhören und das Eintauchen in die alternativen Versionen ein vollends ungetrübtes Vergnügen.

Bewertung: 6 von 6
VÖ: 30.10.2015
vanmorrison.com
Label: warnermusic.de

Tracklist:

  1. Astral Weeks
  2. Beside You
  3. Sweet Thing
  4. Cyprus Avenue
  5. The Way Young Lovers Do
  6. Madame George
  7. Ballerina
  8. Slim Slow Slider

Bonus Tracks – Previously Unreleased

  1. Beside You (Take 1)
  2. Madame George (Take 4)
  3. Ballerina (Long Version)
  4. Slim Slow Slider (Long Version)

 

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