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V.A. – George Fest

1 März 2016 No Comment
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georgefest

2002 beim „Concert for George“ sagte Paul McCartney vor dem letzten Lied: „With Dhani up on stage it looks like George stayed young and we all got old!“. Vielleicht war der Wunsch das nicht wieder so aussehen zu lassen, der Grund warum Dhani Harrison diesmal vorwiegend Künstler seiner Generation einlud um erneut dem Werk seines Vaters GEORGE HARRISON mit einem „George Fest“ zu huldigen. Diesmal sind keine Weggefährten seines Vaters mit von der Partie, mit einer Ausnahme: Die beiden (Ex-)Beach Boys Brian Wilson und Al Jardine zelebrieren „My Sweet Lord“ und schlagen sich dabei durchaus achtbar, sind aber nicht nur optisch, sondern auch akustisch, alte Männer – was angesichts der anderen Künstler sehr stark auffällt. Ebenfalls mindestens eine Generation älter als das Gros der Künstler ist Ann Wilson von Heart, deren Stimme jedoch noch nichts von ihrer Klasse eingebüßt hat – ihre Version von „Beware Of Darkness“ überzeugt ohne Frage.

Die Überschneidung der Tracks von George Fest und dem Concert for George ist weniger hoch als erwartet, denn es gibt einige sehr positive Überraschungen: So wird „I Me Mine“ von Spoon’s Britt Daniel überzeugend interpretiert, Jonathan Bates und Dhani Harrison bringen das selten gehörte „Ballad Of Sir Frankie Crisp (Let It Roll)“, Killers-Frontman Brandon Flowers reißt das Publikum mit „Got My Mind Set On You“ mit, Ian Astbury von The Cult überrascht mit „Be Here Now“, Dhani Harrison stellt mit „Savoy Truffle“ und „Let It Down“ unter Beweis, das wohl keiner in der Lage ist seinem Vater stimmlich so nahe wie er zu kommen. Norah Jones, die Tochter von Ravi Shankar, glänzt nicht nur mit „Something“, sondern auch mit „Behind That Locked Door“ und zum Ende wagen sich The Flaming Lips an „It’s All Too Much“ und schaffen es die psychedelische Magie der Beatles-Nummer auf die Bühne zu bringen.

Fast alle Versionen auf dieser Platte sind feine Interpretationen der Originale. Auffallend ist die Werktreue, die die meisten Künstler im Verbund mit der hervorragenden Houseband auf die Bühne bringen. Lediglich Black Rebel Motorcycle Club weichen in ihrer Version von „Art Of Dying“ deutlich von der Vorgabe ab. Die einzigen Künstler, die nicht überzeugen, sind die, die ihren Vortrag mit Rockismen wie Geschrei oder unnötiger Publikumsanreiße würzen. Zum einen ist es Butch Walker, der das feine „Any Road“ von dem posthum veröffentlichten Swansong „Brainwashed“ mit seinem prolligen Bühnengehabe tötet und zum anderen ist es Cold War Kids-Sänger Nathan Willett, der „Taxman“ völlig unnötig zerschreit und dem Song so nicht gerecht wird.

Beim Grande Finale, das zu „Handle With Care“ und „All Things Must Pass“ noch einmal beinahe allen die Chance gibt vor’s Mikrophon zu treten, ist Dhani dann tatsächlich einer aus der Mitte der Künstler um ihn herum – er überzeugt auch hier wieder als Sänger der Melodien seines Vaters – und es ist auch gut so, dass nicht wieder Clapton, Petty, Lynne, McCartney und Starr hier auf der Bühne stehen, sondern eine Riege weniger legendären aber keineswegs schlechteren Interpreten. Der Konzertfilm, der den physikalischen Tonträgern der Veröffentlichung beigefügt ist, ist wunderbar unaufdringlich und der Musik dienend produziert und mit teilweise bewegenden Interviewpassagen angereichert. George erfährt mit diesem Dokument eine wunderbare Würdigung seines Schaffens und hätte, wie Dhani sagt, diesen Event geliebt. Vielleicht wurde er ja im buddhistischen Sinne tatsächlich neu geboren und kann dies auch in irgendeiner Form wahrnehmen, wenn nicht haben wir zumindest die wunderbare Möglichkeit uns hier mit dem Werk eines tollen Musikers erneut zu verbinden.

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 26.02.2016
Künster: georgeharrison.com
Label: hotrecordswest.com

Tracklist:

Disc: 1

  1. Introduction
  2. Old Brown Shoe (Conan O Brien)
  3. I Me Mine (Britt Daniel from Spoon)
  4. Ballad of Sir Frankie Crisp (Let It Roll)(Jonathan Bates feat. Dhani Harrison)
  5. Something (Norah Jones)
  6. Got My Mind Set On You (Brandon Flowers from The Killers)
  7. If Not For You (Heartless Bastards)
  8. Be Here Now (Ian Astbury from The Cult)
  9. Wah-Wah (Nick Valensi from The Strokes)
  10. If I Needed Someone (Jamestown Revival)
  11. Art of Dying (Black Rebel Motorcycle Club)
  12. Savoy Truffle (Dhani Harrison)
  13. For You Blue (Chase Cohl)
  14. Beware of Darkness (Ann Wilson)

Disc: 2

  1. Let It Down (Dhani Harrison)
  2. Give Me Love (Give Me Peace On Earth) (Ben Harper)
  3. Here Comes The Sun (Perry Farrell from Jane’s Addiction)
  4. What Is Life ( Weird Al Yankovic)
  5. Behind That Locked Door (Norah Jones)
  6. My Sweet Lord (Brian Wilson)
  7. Isn’t It A Pity (The Black Ryder)
  8. Any Road (Butch Walker)
  9. I’d Have You Anytime (Karen Elson)
  10. Taxman (Cold War Kids)
  11. It’s All Too Much (The Flaming Lips)
  12. Handle With Care (Brandon Flowers, Britt Daniel, Dhani Harrison, Jonathan Bates, Wayne Coyne, and Weird Al Yankovic)
  13. All Things Must Pass (Ann Wilson, Dhani Harrison, Karen Elson and Norah Jones)

Disc: 3 (DVD des gesamten Konzertes)

 

Jan Woelfer

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