Home » Featured, Reviews, Tonträger

WANDA – Bussi

3 Oktober 2015 No Comment
Share

wanda_-_bussi_klein

Sie haben die Gunst der Stunde. WANDA aus Wien sind momentan everybodys darling und werden von der deutschsprachigen Presse hofiert. Es passt aber auch alles zu gut zusammen: Der gefällige Indierock in Verbindung mit dem charismatischen und charmanten Vortrag von Michael Marco Fitzthum. Wienerisch klingt einfach immer wieder grandios, er könnte auch die Friedhofsordnung vom Zentralfriedhof singen und es klänge fantastisch.

Dies ist zugleich Segen als auch ein Fluch, denn bei dem neuen Album “Bussi“, das WANDA zu einem Zeitpunkt veröffentlichen als das Debüt “Amore“ noch sehr erfolgreich lief, bleibt der Eindruck nicht aus, dass sie sich beim Songwriting die Sache recht einfach gemacht haben und einfach darauf setzen, dass Wienerisch in Verbindung mit Hedonismus ein Selbstläufer ist. Ohne Frage: Der Titelsong “Bussi Baby“ ist klasse. Eingängig wie Sau und trotzdem speziell und mit der richtigen Dosis Leidenschaft im Gesang.

Der Opener “1,2,3,4“ wurde dagegen am Reißbrett entworfen um perfekt Konzerte einzuläuten und das Publikum schon in der ersten Strophe zum kollektiven Schrei zu animieren. Dann ein paar Worte wie “nackt“, “Opium“ und die nichtssagende aber gut klingende Floskel “und die Stadt träumt sich in unsere Herzen ein“ und fertig ist der Crowdpleaser. “Meine beiden Schwestern“ klingt auch wie ein Song, der in fünf Minuten nach der Heimkehr aus einer Kneipennacht zusammen gekritzelt wurde bevor man in den Stiefeln ins Bett fällt.

Insgesamt fällt die Originalität der Texte von “Bussi“ gegenüber dem noch frischen Eindruck des Debüts “Amore“ deutlich ab. Der Alkoholkonsum als solcher wird an allen Ecken glorifiziert und man hat die Wahl zwischen dem Zukunftsszenario Säuferuntergang oder aber Läuterung einschließlich nachträglicher Verklärung und Distanzierung von den Texten. Was aus Michael Marco Fitzthum wird, wird sich zeigen – ihm scheint es nach außen alles „Wurscht“. Er scheint das Leben ohne Limit zu genießen. Es sei ihm auch gegönnt. Aber seine Kunst hat bereits darunter gelitten.

Es gibt aber auch klar gute Momente auf “Bussi“. Neben dem Titeltrack überzeugt auch noch “Nimm sie wenn du’s brauchst“, “Das wär schön“ oder “Mona Lisa der Lobau“. Aber die stehen neben so dämlichen Songs wie “Lieber dann als wann“, dessen bescheuerter Text auch wieder das ganze Lied runterzieht. Auf “Andi und die spanischen Frauen“ will Fitzthum dann an einem Tag so viel saufen, wie besagter Andi in einem Jahr. Schwanzvergleich in der Promillearena.

Die weitere Karriere von WANDA ist ein Abenteuer. So wie es aussieht wird jetzt der Moment maximal ausgekostet und ob die Band nach der Tour zum zweiten Album verbrannt ist, ob sie nach einer Pause mit einer überzeugenderen Platte zurück kommen können bleibt abzuwarten. Für den Augenblick sind sie heiß und daran wird auch ein schwaches zweites Album nichts ändern. Wir warten gespannt auf die weitere Entwicklung.

Bewertung: 3 von 6
wandamusik.com
Label: universal-music.de

Tracklist:

  1. 1,2,3,4
  2. Meine beiden Schwestern
  3. Bussi Baby
  4. Lieber dann als wann
  5. Gib mir alles
  6. Nimm sie wenn du’s brauchst
  7. Alarm!
  8. Mona Lisa der Lobau
  9. Das wär schön
  10. Sterne
  11. Andi und die spanischen Frauen
  12. Kein Herz im Hirn
Jan Woelfer
Jan Woelfer

Letzte Artikel von Jan Woelfer (Alle anzeigen)

Share

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.