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WHYTE HORSES – Empty Words

11 April 2018 No Comment
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Das verheißungsvolle Bandprojekt aus Manchester serviert nach seinem glanzvollen Debut „Pop Or Not“ mit „Empty Words“ zwei Jahre später nun den ungeduldig erwarteten Nachfolger. Würde man an die die süffige Mischung aus viktorianischer Psychedelika und French Pop anknüpfen können? Vorweg: Mastermind Dom Thomas hat auch 2018 das richtige Händchen und die perfekten Gastsängerinnen um die neue Album-Veröffentlichung von Whyte Horses, samt großem Performance-Showspektakel in der Royal Festival Hall, zum Happening zu machen.

Bereits beim Einstieg „Counting Down The Years” sorgt die Französin und Ex-Envelopes Sängerin Audrey Pic für dieses betörende 60s-French-Pop-Feeling, das sie und die zweite Französin Mélanie Pain (Nouvelle Vague) vor allem bei „Greatest Love in Town“ aber auch modifiziert und um britische Shoegazing-Elemente ergänzt bei „This Dream“ oder „Ride Easy“ versprühen. Auch die wunderbar kammermusikalischen Skizzen „Watching TV“ und „Nightmares Aren’t Real“ sind Höhepunkte dieser starken Platte.

Überhaupt sind die Streichermomente auch 2018 wieder wunderbar akzentuiert in Szene gesetzt und gerade „Never Took The Time“ und der famose Titelsong sind herrlich altmodischer Twee-Pop, bei dem die Streicher das Stück nach vorne tragen und niemals überfachten. Leonore Wheatley ist dabei als Duett-Partnerin der beiden Französinnen eine kongeniale Ergänzung. Nachzuhören insbesondere z.B. bei „Ecstasy Song“, das elektronisch-minimalistisch sowie krautverwurzelt fast wie eine Hochzeit aus Kraftwerk und Neu inklusive betörender Frauenstimmen klingt.

Die mysteriöse Band auch Manchester um Dom Thomas (Liars), Julie Margat (Go! Team), Mike Burnham (Heliocentrics) und Joakim Ahlund (Teddybears Sthlm) hat mit dem Soloauftritt von La Roux noch ein weiteres Ass im Ärmel. „The Best Of It“ trifft den Hörer wie ein Hybrid aus ABBA zu deren folkiger „Arrival-Zeit“, latenten Northern-Soul-Elementen und Vintage 80s Dancefloor, den die aparte Sängerin ja selbst so liebt. Ein absolutes Highlight, auch weil die Engländerin dem Stück, durch ihre androgyne Coolness, den ureigenen Stempel aufdrückt. Das Duett „Fear Is Such…“ mit Audrey Pic zeigt La Roux ebenfalls auf ihrem gewohnten Terrain und taugt mit seinen 90s Beats und den frankophilen Stereolab-Anleihen zum Clubhit.

Mit 16 Stücken und im LP-Format als Doppelalbum, ist die Platte quasi ein Konzeptalbum, das avantgardistische und cinemascope Wesenszüge trägt.Die gesamte Platte lädt als musikalisches Füllhorn förmlich zum Dauerhören ein und verbreitet eine wunderbar frühsommerliche Vintage-Atmosphäre. Es fühlt sich ein wenig so an, als ob man zuhause auf der Hollywoodschaukel im Garten, zusammen mit ein paar alten Freunden, verblichene Polaroid-Bilder anschaut, die von vergangenen J ahrzehnten erzählen. Auch die beiden Instrumentalstücke „Prelude“ und „The Return“ vertiefen diesen rauschhaften Trip durch vergangene Dekaden.

Man darf darauf hoffen, dass sich die weiterhin in Planung befindlichen Tourpläne auch nach Deutschland ausdehnen, um diese außergewöhnlich homogene zweite Platte von Whyte Horses auch hierzulande live erleben zu können.

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 20.04.2018
Label: CRC / Alive
Format: Vinyl / CD / Download

Tracklist:
1 Counting Down The Years
2 Never Took the Time
3 Greatest Love in Town
4 This Dream
5 Empty Words
6 Any Day Now
7 Prelude
8 Watching Tv
9 Ecstasy Song
10 The Best of It (feat. La Roux)
11 The Return
12 Fake Protest Song
13 Dawn Don’t You Cry
14 Nightmares Aren’t Real
15 Fear is Such A…
16 Ride Easy

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