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WIZO – 05.11.2014, Düsseldorf, zakk

9 November 2014 No Comment
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Kaum Gerede

Kaum Gerede

Viel Zeit haben sich die drei Punks aus Sindelfingen gelassen zwischen ihrer großen Comback-Ankündigung anno 2009 und dem damals bereits versprochenen Album sowie der Tournee. Und wer sich die Festival-Auftritte von vor vier Jahren zu Gemüte führte, konnte doch schon mit gemischten Gefühlen auf diese Tour blicken. Zwischen allerlei Rockstar-Pose und Katzenkostümen hoffte man doch noch in etwas kleinerem Rahmen schnörkellos von der simplen Punkband beschallt zu werden, die die eigene Pre-Pubertäre musikalische Sozialisation ein Stück weit mitverbrochen hat.

Nun also WIZO im Düsseldorfer zakk und die Meldung „Konzert Ausverkauft“ wenige Tage vor dem Gig legte nahe, dass es da offensichtlich immer noch großen Bedarf an dem halb-politischen, halb-bespaßenden Deutschpunk gibt, wie ihn nur die „Brandanschläge und Eurodance“-1990er Jahre ausspucken konnten.

Das Punk-Trio von SCHMUTZKI, eifriger Tourbegleiter aus Stuttgart, eröffnete den Abend und bildete das ideale Vorprogramm – im Grunde wie WIZO, nur frei von den 90er-Jahren-Ballaststoffen – und bewies, dass man auch als eher unbekannte Band im Vorprogramm des Deutschpunk-Revivals eine gute Figur machen kann. Ausgelassene Stimmung vor der Bühne und Mitsingbereitschaft quer durch den ganzen Saal, das hatte man schon bei größeren Namen weitaus schlechter erlebt.

Und auch WIZO verstanden sich darauf, eher mit dem zu Punkten, wofür man eigentlich auch gekommen war. Eröffnet mit Raum der Zeit und weiteren Klassikern wie Diese Welt, Hey Thomas oder Alte Frau war die Stimmung von Beginn an hervorragend und wurde natürlich umso energischer bei Hits alla Kopfschuss, Quadrat im Kreis oder Das goldene Stück.

Ur-Bandmtglied und Alleinunterhalter des Abends Axel Kurth ließ sich natürlich auch die manchmal etwas in die Länge gezogenen aber alles in allem recht unterhaltsamen Ansagen nicht nehmen. Er verwies erwartbar regelmäßig auf die gute alte „Scheiß auf Nazis“-Attitüde, von der man im Grunde nichts mehr wissen will und am Ende irgendwie froh ist, sie von Bands wie WIZO (ähnlich wie bei den Kollegen von SLIME, ZSK und Konsorten) dann doch noch zu hören. Frei nach dem Motte, „wenn’s die Ideologie-befreite YOLO-Punkgeneration nicht mehr tut, müssen es eben die Alten wieder richten“.

Neben einigen Stücken der neuen Platte und der (vielleicht zurecht) fast vollständigen Missachtung des Anderster-Albums von 2004 verabschiedeten sich die drei Schwabenpunks nach einer umfangreichen und gelungenen Vorstellung mit vielen Hits und relativ wenig Pose dankend vom Düsseldorfer Publikum. Kein Gerede, Die letzte Sau und Bleib Tapfer gab‘s standesgemäß obendrauf und am Ende machte sich erleichtert die Erkenntnis breit: Sie wissen noch, dass sie einfach eine Deutschpunkband sind und als solche auch hervorragend funktionieren. Adoleszenz ist gerettet!

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