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YOUTH OF AMERICA – YOA Rising

9 Januar 2019 No Comment
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Ein Kuriosum gleich zu Beginn des neuen Jahres. „YOA Rising“ ist das Debütalbum der in Glasgow ansässigen Band Youth Of America. Die Band ist das Songwriting-Projekt von Simon Shaw (Bassist bei den Trembling Bells) unter Beteiligung aller Trembling Bells Mitgliedern, sowie Musikern von Belle und Sebastian, Lucky Luke und Big Hogg. Als Produzent fungierte Luigi Pasquini.

Gesanglich zelebrieren die beiden Sängerinnen Lucy Sweet und Sophie Sexon, unter Mitwirkung von Lavinia Blackwall, ihre Vorliebe für Mädchengruppenharmonien von Shangri-Las oder den frühen Bangles. Der Bandsound orientiert sich am Powerpop sowie Folkrock der 70s und wird immer wieder durchdrungen von psychedelischen 60s Rockmustern, die eindeutig die Handschrift der Trembling Bells Musiker tragen.

Das Album beginnt zickig und von der Hammond getrieben mit „Spirit Of ’94“, einer Geschichte über „A New Starlet In Town On The Rise“. Eine aufregende Story, wie aus der Zeit gefallen, als Abenteuer noch auf der Straße und im „Record Shop Basement“ stattfanden, nicht nur im Internet.

YOAR Rising leuchtet danach genüsslich weitere skurrile und abwegige Untiefen aus. Das vorwärtstürmende „Death Ship Sales Tonight“ dreht sich über Liebende, die Selbstmord-Pakte schließen und mischt eine ordentliche Prise Glam unter. „Broken Down 57 Ford“ ist purer Vintage-Eskapismus mit Handclaps und unwiderstehlichen Gesangsharmonien der Grrrls.

Schon die Vorabsingle aus dem Jahr 2016 zeigte, welches Potential in dieser Band steckt. Beide Tracks sind hier nochmal enthalten. „Night Of The Comet“ ist musikalisch eine wunderbare Mischung aus „Rocky Erickson meets Steeleye Span“ und die krachende Koda ist im besten Sinne „Classic 70s“. Die Story dazu evoziert Erinnerungen an amerikanische B-Movies: Eine Frau, die während einer außerirdischen Invasion gefangen genommen wird, verfällt durch ihren Fernseher in ein Koma.

Auch die Inklusion von „Navigator“, mit seinen Vintage-Powerchords, ist nochmals willkommen und gehört zu den besten der 10 Stücke. „Angels Dinner“ könnte aus den späten 60s sein und birgt eine gehörige Ladung „Acid Freak Out“ im überdrehten Sound der Gitarren, für die sich hauptsächlich Michael Hastings verantwortlich zeigt. Er bietet auf dem YOA-Projekt die ganze Bandbreite seines Könnens auf.

„Ice Tower“ drosselt dann das Tempo und birgt wunderbare Folkharmonien und Canterbury-Sound. Nicht nur hier kommt Sophie Sexons Flöte, die sie auch bei Big Hogg spielt, kongenial zum Einsatz. Die Platte klingt dann mit der Spoken-Word Performance „Faith Village“ und „Ciao Manhattan“, das der auf dem gleichnamigen Film basiert und die Abwärtsspirale von Kultmodel Edie Sedgwick thematisiert, pointiert und nachdenklich aus.

Youth Of America ist die kleine zickige Schwester der Trembling Bells auf dem Vormarsch, Sie will nicht hören will, beißt, spuckt und kratzt, kann aber auch ganz lieb sein. Die LP ist auf 300 Exemplare limitiert und im Moment via Mailorder bei „Fighting Swan“ zu beziehen. Auf Bandcamp ist der Download des Albums verfügbar und „Strange Vice“ bringt exklusiv eine kleine Auflage des Debuts als 8-Spur.-Kassette auf dem Markt. Dies demonstriert nochmal, dass man es hier mit der Authentizität und Besinnung auf die Vergangenheit ernst meint.
Prädikat. Unbedingt empfehlenswert!

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 01.01.2019
Label: Fighting Swan Records
Web: facebook.com/Youth-Of-America
Format: Vinyl // Download / 8-Spur-Kassette

Tracklist:
1. Spirit of 94
2. Down The Rabbit Hole
3. Broken Down 57 Ford
4. Death Ship Sails Tonight
5. Night Of The Comet
6. Angel’s Dinner
7. Navigator
8. Ice Tower
9. Faith Village
10. Ciao Manhattan

Sascha Kilian

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