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AVENGERS: AGE OF ULTRON

22 April 2015 No Comment
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© Walt Disney

Es ist soweit: Marvel, mit Unterstützung von Disney, haben uns an den Punkt gebracht, an dem wir an einer Party in Tony Starks/Iron Mans (Robert Downey Jr.) luxuriösen, technisch perfekt ausgestatteten Hochhaus zusammen mit Hulk/Bruce Banner (Mark Ruffalo), Thor (Chris Hemsworth), Captain America (Chris Evans) und vielen anderen bunten Charakteren teilnehmen können, jeder eine Superhelden-Anekdote zu erzählen hat und der Zuschauer das als filmische Realität akzeptieren kann. Nicht nur das, diese Party-Szene, in der alle Charaktere sich scheinbar relaxt miteinander austauschen, trinken, flirten und sich gegenseitig auf die Schippe nehmen, gehört zu den spaßigsten in den gesamten 141 Minuten von „Avengers: Age of Ultron“. So dass man sich fast wünscht Regisseur Whedon hätte die Freiheit, eine ganz neue Richtung einzuschlagen und aus der restlichen Laufzeit einfach eine riesen Superhelden-Gaudi gemacht.

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Die Avengers ziehen wieder einmal zusammen in die Schlacht © Walt Disney

Whedon beherrscht nämlich die Klaviatur der selbstironischen Dialoge, in denen sich übernatürliche Charaktere über die Absurdität des eigenen Universum lustig machen, so perfekt, dass diese Art von Meta-Kommentar nicht zu selbstgefällig wirkt. Jedoch wäre dies nicht der Avengers-Film, den sich Millionen von Menschen auf der ganzen Welt wünschen und so hat auch schnell die künstliche Intelligenz Ultron (im Original gesprochen von James Spader) seinen Auftritt. Dieser wurde kurz zuvor von Tony Stark und Bruce Banner mit Hilfe jeder Menge Alien-Hokus Pokus entwickelt, im Irrglauben die Welt und die Menschen, vor sich selbst schützen zu können. Ultron kommt seinerseits schnell zu dem logischen Schluss, dass er dieses Ziel nur erreichen kann, wenn er die Superheldenparty und die Erde gleich mit sprengt.

Zu diesem Zwecke rekrutiert er die Amerika- und Avengers-kritischen Zwillinge Quicksilver (Aaron Taylor Johnson) und Scarlett Witch (Elizabeth Olson), der eine superschnell, die andere super Gedanken-kontrollierend, baut sich eine eigene Armee aus Robotern und einen neuen Androiden-Körper bestehend aus biologischen und technischen Komponenten, der ihn letztendlich unbesiegbar machen soll. Ein Masterplan, den sich das Team in typischer Avengers-Manier natürlich entgegenstellen muss, aber nicht bevor sie sich in ebenso typischer Avengers-Manier erst ein paar mal zerstritten und wieder zusammengerauft haben.

Avenger: Age of Ultron

Superfiese K.I. Ultron und Schwarzmarkthändler Ulysses Klaw (Andy Serkis) © Walt Disney

Zunächst einmal, ist es wieder ein riesen Spaß dabei zuzusehen, wenn z.B. Iron Man in einer übergroßen Rüstung einen außer Kontrolle geratenen Hulk wie eine Dampframme aus einem Zeichentrickfiln in den Boden rammt. Dabei dröhnt der Bass der Action so laut, dass die Kinositze und der erfreute Zuschauer gleich mit durchgeschüttelt werden. Dennoch stellt sich schnell ein Deja Vu-Gefühl ein und es wird schnell klar, dass Marvels größtes Klassentreffen auf dem Avengers-Flaggschiff auch das unbeweglichste ist. Strukturell unterscheidet sich hier nicht viel von seinem Vorgänger: Es gibt einen großen Kampf am Anfang, einen in der Mitte und eine wahnsinnige Materialschlacht am Ende.

Hinzu kommt, dass augenscheinlich jeder Charakter noch seine eigene kleine Mini-Fortsetzung bekommt: Wir möchten schließlich wissen, was mit Captain America (Chris Evans) und Hawkeye nach den dramatischen Ereignissen von „Return of the First Avenger“ passiert ist, warum Pepper Potts keinen Auftritt hat (wahrscheinlich weil Gwyneth Paltrow keine große Lust für einen fünfminütigen Cameo hatte), und warum Jane Foster sich nicht hinter Thor versteckt (wahrscheinlich weil Natalie Portman nicht vertraglich an jeden Marvel-Film gebunden ist). Das schöne, insbesondere an Phase 2 von Marvels Masterplan war, dass jeder Film fast schon eine gewisse Eigenständigkeit besaß. Es scheint fast so, als wäre Whedon gezwungen gewesen, jede Fußnote, die in Filmen wie „Guardians of the Galaxy“ und „Return of the First Avenger“ nur marginal vorkamen, in „Avengers: Age of Ultron“ einzubauen.

Als Folge dessen muss Whedon mittlerweile einen ganzen Omnibus an Charakteren und Querverweise auf vergangene und zukünftige Handlungen hinter sich herziehen. Vielleicht ist auch das einer der Gründe, warum er sich mitten im Dreh des letzten „Avengers“-Film unser aller besten Dichter-Kumpel William Shakespeare und einem kleinen Stück namens „Viel Lärm um Nichts“ zugewandt hat und nach „Age of Ultron“ dem Marvel-Universum ganz den Rücken kehrt. Romantische Subplots sind dank Whedons Talent zwar auch hier nicht völlig austauschbar, aber hinterlassen bei den Charakteren bzw. dem Zuschauer kaum Spuren. Auch die beiden Neuzugänge Scarlett Witch und Quicksilver (im letzten „X-Men“-Film wesentlich charmanter ausgearbeitet) durchlaufen eine 08/15 – Charakterentwicklung.

Age of Ultron

Neuzugänge Scarlet Witch (Elizabeth Olsen) und Quicksilver (Aaron Taylor Johnson) © Walt Disney

Interessante Ansätze über künstliche Intelligenz, die auf Frankenstein, Pinocchio und die Roboter von Isaac Asimov anspielen, und Diskussionen über Leben, Liebe, Familie und Team-Zusammenhalt dienen nur dazu, um den vorhersehbaren Plot aufzuhübschen. Denn letztendlich weiß auch schon jeder wohl informierte Zuschauer, der Marvels Pläne auch nur ansatzweise mitverfolgt hat, dass alles irgendwann in einen „Civil War“ zwischen den Superhelden und einem zweiteiligen „Infinity War“ münden wird. Und sollte es jemand nicht wissen, in „Age of Ultron“ wird oft genug darauf hingewiesen.

Das Marvel-Modell gilt nun als Vorbild für fast alle großen Studios und ihre millionenschweren Franchises: So hat Warner Bros. den Schlüssel zum Comic-Königreich von DC, nachdem Christopher Nolan scheinbar keine Lust hatte, unvernünftiger Weise Zack Snyder in die Hand gedrückt. Sony versuchte Spiderman ein eigenes Universum zu geben, musste allerdings letztendlich zähneknirschend eingestehen, dass bei Marvel die talentierteren Leute sitzen. Dennoch arbeitet man fleißig an einem „Ghostbusters“- und vielleicht auch „Robin Hood“-Universum (weil, warum nicht!?). Außerdem wäre es nicht verwunderlich, wenn irgendwo ein Terminator darauf wartet, kleine Baby-Terminatoren in die Welt zu setzen.

Man kann dies ganz zynisch der jahrelang herbei beschworenen filmischen Bankrotterklärung Hollywoods in die Schuhe schieben oder als nächsten Evolutionsschritt des Entertainments ansehen, in dem Film, TV und natürlich auch Comics immer mehr zu einem Ganzen verschmelzen. Problematisch bleibt diese Art des Geschichtenerzählens aber dennoch. Insbesondere wenn sich ein vielseitiger Drehbuchschreiber wie Joss Whedon Teile ihrer Geschichte von anderen Filmen im Namen des Fan-Service diktieren lassen muss. Regisseur Edgar Wright musste in seinem Ehrgeiz, einem Ameisenmann zu viel Individualität zu geben, schon seinen Hut nehmen und es bliebt abzuwarten, ob die Welt des Marvels mit dem Zunehmen von immer mehr Charakteren und mehr Geschichten, die voneinander abhängig sind, wie ein zu groß geratener Jenga Turm irgendwann in sich zusammenfällt.

Marvels Avengers: Age of Ultron

Zunächst zerstritten, im Kampf wiedervereinigt © Walt Disney

Um aber überstrapazierte Metaphern und Allegorien beiseite zu schieben, „Avengers: Age of Ultron“ ist ein Unterhaltungsjuggernaut, der vor allem dank Whedons cleveren Dialogen, den wie immer charmanten Hauptdarstellern und der ihnen innewohnenden Schlagfertigkeit jedem Publikum Spaß machen sollte. Kaum jemand konnte ahnen, als Iron Man zum ersten mal die Leinwand-Schallmauer durchbrach, dass nur ein paar Jahre später so ein bombastischer Spaß daraus entsteht.

Dennoch scheinen besonders die Avengers-Filme immer unbeweglicher zu werden und auch jeder Einzelfilm, entweder auf einen anderen Film oder ein größeres Endspiel zu verweisen. Nichts was hier oder sonst wo geschrieben steht, wird verhindern, dass „Avengers: Age of Ultron“ alles Geld dieser Welt einspielen wird, und das sollte es auch nicht. Aber verziehen sei dem Zuschauer, der sich lieber einer eigenständigen Geschichte zuwendet.

AVENGERS: AGE OF ULTRON

Starttermin: 23.04.15
Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Don Cheadle, Aaron Taylor-Johnson, Elisabeth Olsen, Paul Bettany, Cobie Smulders, Stellan Skarsgard, James Spader und Samuel L. Jackson
Regie: Joss Whedon
Drehbuch: Joss Whedon
nach den Figuren von Stan Lee und Jack Kirby
Produktion: Kevin Feige
Ausführende Produktion: Louis D’Esposito, Alan Fine, Victoria Alonso, Jeremy Latcham, Patricia Whitcher, Stan Lee, Jon Favreau

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