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Interview mit THE SATELLITERS

29 April 2005 No Comment
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the satteliters

Nach ihrem Konzert in Wiesbaden, kamen die Darmstädter endlich wieder nach Düsseldorf und zwar nicht irgendwo hin, sondern ins Unique, ein Garant für gute Atmosphäre. The Satelliters heißt die Truppe, die sich vor dem Gig noch durch die prall gefüllte Altstadt zwängen muss, um ihr Equipment in den ehemaligen Puff zu transportieren. Ebenfalls angereist sind The Loons, nicht aus dem schönen Hessen, dafür aber aus San Diego, nachdem sie auf ihrer kleinen Europa Tour in Paris stoppten.

Zum Interview mit den Satelliters trifft man sich im gegenüber gelegenen gutbürgerlichen Zum Schlüssel„, um vor dem Auftritt noch ein paar Bierchen zu tanken und um den hungrigen Loons die versprochenen deutschen Spezialitäten zu servieren. Da fing es schon an, wie übersetzt man „Läwerwoosch on Röggelche“ oder „Brootwoosch met Zaus, Kappes on Püree“? Man wollte ja was typisch Deutsches und um die Klischees zu erfüllen, musste da natürlich Sauerkraut mit Kassler her und es hat ihnen geschmeckt, das Alt übrigens auch.

Ins Gespräch kam man bei dieser geselligen Runde schnell. Erstmal lernte man die Bandmitglieder kennen: Steve, Diego, Alex, Christopher und Zahni. Steffen, Steve genannt, ist unüberschaubar der Kopf der Satelliters, nicht nur weil er der Sänger ist und beim Musikalischen entscheidet, er organisiert das ganze Drumherum und das ist bei den Satelliters nicht gerade wenig. Das achte Album „Hashish“ steht in den Läden, wird gerade promotet, Aufnahmen zu einer neuen EP müssen abgeschmischt werden und und und. Im Mai geht’s dann in die Staaten, wo sie in Las Vegas, gleich zweimal in L.A. und in San Diego spielen, wo sie natürlich wieder mit den Loons auftreten. Unglaublich und heute noch in Düsseldorf, „Yeah, ‚?m a travelling man“ heisst es nicht umsonst in „Burn Out“.

Einmal in der Woche treffen sich die Jungs dann auch noch in Darmstadt zum Proben, obwohl sie im Rhein-Main-Gebiet verstreut wohnen und hauptberuflich „was Ordentliches“ arbeiten. Was dann bei so vielen Auftritten schon mal schwierig werden kann und neben anderen Problemen auch schon das ein oder andere Bandmitglied gekostet hat.

Grundsätzliche Fragen zum Bandnamen werden routiniert damit beantwortet dass man sich an den Astronauts orientiert hat und anfangs ja noch Raumanzüge und Spacemasken trug, als man noch trashy unterwegs war. Heute spielen die Satelliters besten Psychedelic Garage 60s Punk und das in der Major League der deutschen Szene, die es wohl gibt, man „bei Konzerten aber trotzdem von der Alternative Indie und Punkrock Szene lebt“, so Steffen. Bei so viel Herzblut, das die Jungs in ihre Musik und die Band investieren, fragt man sich immer wieder warum sie es noch nicht gepackt haben. Steffen erzählt aber freudig wie es ist, in den Staaten im Plattenladen die eigene Scheibe zu finden, dank dem legendären US-Sixties/Surf/Lounge Label Dionysus Records bei denen sie schon das fünfte Album rausgebracht haben und wohl sehr zufrieden sind, vor Allem mit dem Engagement von Label Boss Lee Joseph.

Zur neuen Platte „Hashish“ will man natürlich wissen, was es mit dem Titel auf sich hat, aber der sei „lediglich aus einer Bierlaune entstanden“, so Bassist Diego. Der Titel des Vorgängers „Sexplosive“ geht ebenfalls nicht aus dem Kopf. Image-technisch machen die Satelliters alles richtig und das ist wohl nicht immer einfach, es ist ja nicht so, dass man krampfhaft ein Image hochhalten will, man will bloß die eigenen Vorstellungen nicht aus den Augen verlieren.

Gerade als man sich so richtig eingelebt hat in dieser äußerst sympathischen Runde, geht’s dann wieder über die Strasse, denn man ist ja nicht zum Altbier trinken und Kassler essen gekommen.Den Anfang machen die Satelliters, die sich das Vintage Equipment mit den Loons teilen, „selbstverständlich“, meint Steve, „wenn wir in die Staaten kommen, können wir ja auch nicht alles mitnehmen“. Wohl war.

Offiziell sollte das Konzert ja um Zehn beginnen, aber wie das immer so ist im Unique, die Massen lassen auf sich warten, so wird es halb Elf bis nach anfangs noch 20 Leuten der Raum doch schnell gefüllt ist. „Hi, wir sind die Satelliters“ und los geht’s, gleich die volle Ladung Vintage Sound, Fuzz Gitarren und Steve setzt ein. Bumm! Man hätte fast vergessen was die Satelliters musikalisch bieten, wenn man sie so freundlich, offen und nett kennen gelernt hat. Jetzt waren sie dreckig und das ziemlich gut. Der erste Song „Go Away“ ist einer dieser Opener, der keine Wünsche offen lässt und die eben noch starr Stehenden zum Bewegen animierte. Der neue Gitarrist Christoph machte seinen Job wirklich gut und wusste genau wann abzugehen. Alle machten es richtig, spielten perfekt, nur das Publikum hat den Siedepunkt nicht ganz erreicht.

Ein Hammer nach dem anderen, mal ein alter Song, natürlich welche von „Hashish“ und ein Cover durfte nicht fehlen, „Wham Bam Thank You Mam“ von den Small Faces. Das Set war bestens aufgeteilt, als man dann von der Bühne ging, blieb die Zugabe!-Euphorie leider aus, obwohl sie sich eigentlich drauf eingestellt hatten.
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Da The Loons ja bekanntlich das Equipment nutzen durften, ging der Wechsel recht schnell. Vom DJ kurz noch „Sheepdog“ von Mando Diao, die die Satelliters neben den Hives und Jet übrigens „ganz gut finden, man hat ja die gleichen Wurzeln, besser als der Scheiss, der sonst so läuft“, oh ja!
Der Sound der Loons ging schon in Richtung der Satelliten, war aber unerwartet gut und dichter. Nicht umsonst werden sie von Ebbot Lunberg (Sänger bei Soundtrack Of Our Lives) produziert. Und der Sänger ist ne Granate, die Bassistin ein saarländischer Blickfang, der Gitarrrist, vortags noch „blown off by Dutch’s Best“, wieder auf dem besten Weg in die „Hall of Fame of Psychedelic Guitarists“ und der Schlagzeuger, nebenbei noch Gitarrist bei den Stereotypes, ich sag nur „watch out this summer!“ This is dedicated to The Satelliters“ hörte man dann und es folgte das großartige „Magic Potion“ von The Open Mind.
Ein wirklich guter Abend mit zwei genialen Bands, die es beide verdient hätten in der Philipshalle zu spielen, man freut sich dann aber doch in solch intimen Ambiente eine Reise in die 60s, „das beste Jahrzent“, angetreten zu haben.

The Satelliters www.thesatelliters.de
The Loons www.ugly-things.com/loons.html
Unique www.unique-rec.com

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